Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- Das Tödten der Schlachtthiere
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 73 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316679-2327276--07770-2327355- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
73 Aas Tödteü der SHlachLLHiere. i. Der Schutz, welcher der „mit Korporationsrechten innerhalb des Bundesgebietes bestehenden" jüdischen Religionsgesellschast und ihren Einrichtungen gesetzlich gewährleistet ist, bildet einen Wall, an dem sich die schmutzigen antisemitischen Wogen bisher stets gebrochen haben. Da aber immer neue Stürme diesen Wall umtoben, ist wohl darauf zu achten, daß die Springfluth denselben nirgend abbröckelt. Besonders ist es eine jüdische Einrichtung, gegen welche sich neuerdings heftige antisemitische Angriffe gerichtet haben und noch beständig richten, die rituelle jüdische Schächtmethode, das Schächten, trotzdem jede derartige Bedrohung einen Angriff auf die Gewissensfreiheit eines großen Theils der deutschen Juden bedeutet. Weil dies zwar die Absicht der Antisemiten, aber mit den bestehenden Gesetzen unvereinbar ist, bedienen sich die Judenfeinde des Vorwandes des Thier schutzes, um entweder SchächtverboLe oder mindestens Schachteinschränkungen durchzusetzen. Im Falle des Erfolges ihrer Bemühungen würden sie sicher sofort die Thierschutz-Maske abwerfen, nm sich mit einem Triumph der antisemitischen Agitation zu brüsten und auf anderen Gebieten neue judenfeindliche Angriffe anzubahnen. Daß von sehr vielen Sachverständigen das Gutachten abgegeben worden ist. das Schachten sei keine Thierquälerei, sondern die humanste Schlachtmethode, hindert diese rücksichtslosen politischen Kampfhähne wenig. Auch die Wahnrehmung schüchtert sie nicht ein, daß diese schnellste Tödtungsart die Folge hat, das Fleisch bester zu konservieren, eine Erfahrung, welche bekanntlich dazu führte, das für den Heeresbedarf nöthige Fleisch nur von geschachteten Thieren zu nehmen. Und dies geschieht selbst dort, wo die Antisemiten bereits Schächtverbote durchgesetzt haben, welche für die Militärverwaltung aber nicht maßgebend sind. In den meisten Thierschutzvereinen herrscht seit dem Bekanntwerden unzähliger Gutachten sachverständiger Autoritäten kein Zweifel mehr über den Werth der rituellen jüdischen Schlachtmethode; eine Ausnahme bilden nur noch jene Vereine, in welchen zufällig antisemitische Heißsporne die Oberhand haben, oder in kleinen Vereinigungen, welche größeren Thierschutzverbändeu unter Benutzung der antisemitischen