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Im deutschen Reich · 1901-01-01 · Heft 1 (Januar 1901) · p. 60

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 1 (Januar 1901)
Article
Dr. Ludwig Cron [Rezension]
Date
1901-01-01
Page
60 (sequence 5)
Language
German
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Im deutschen Reich. «0 geltend lnachen wollten? Oder weih sie einen besseren Grund dafür anzugeben, daß die Juden sich scheuen, die, „der wirtschaftlichen Entwickelung und Wohlfahrt gewidmete". Technische Hochschule zu beschicken^ 0. 8. Fr. Naumann. Demokratie und Kaiserthum. Bücherverlag' der „Hilfe", Berlin-Schöneberg 1900. Es dürfte die Leser dieser Zeitschrift interessieren zu erfahren, welche geringe Rolle der Antisemirimus und die antisemitische Partei in dem Buche „Demokratie und Kaiserthum" spielen, das der bekannte nationalsoziale Politiker Fr. Naumann unlängst veröffentlicht hat. Selbstverständlich ist hier nicht der Ort, sich darüber auszusprechen, ob die von Naumann vertretenen politischen Ansichten nützlich oder schädlich sind und ob seine Voraussagen über die deutsche Entwicklung sich als zutreffend oder verfehlt erweisen dürften. Nichts liegt uns auch ferner als die Untersuchung, ob die von Naumann gewünschten Reformen einer größeren Zahl unter uns nützlich oder schädlich wären, um dann je nach dem Ausfall dieser Untersuchung dafür oder dagegen Stnrimring zu machen. Allein beachtensmerth ist, daß Raumann, während er sich über alle wichtigeren Fragen ansjpricht, zu denen nufere politischen Parteien in ihren Programmen Stellungnehmen, doch der sogenannten Judenfrage garnicht gedenkt, welche die meisten unserer Gegner als die wichtigste der im politischen Leben zu lösenden Fragen betrachten. Don denjenigen Forderungen des Programms der sich selbst als antisemitisch bezeichnenden Partei, welche nicht auch von anderen Parteien gefordert werden, wird überhaupt nur .der Wunsch besprochen, daß alle Reichstagsmähler durch Strafbestimmungen angehalten werden sollen-, ihr Wahlrecht auszuüben. Er wird S. 47 als ziemlich thöricht erwiesen, da im Großen und Ganzen die Wähler sich nur in solchen Kresien saumselig zeigen, wo das Wablergebniß ohnehin sicher ist, in umstrittenen Kreisen aber die Betheiligung nichts zu wünschen übrig läßt. Das emsige, was Naumann in diesem Buche über den Antisemitismus sagt, ist folgendes: „Nicht selten lockert sich der Zusammenhang gerade der konservativen Mittelstandselemente mit der Aristo« kratie. Dann tritt ein Konservatismus unanstokratischer Art ein, der Antisemitismus. Im Antisemitismus ist wenig System und wirthschaftspolirische Geschlossenheit. Er muß, wie Liebermann von Sonnenberg einmal sagte, „kavalleristijch" betrieben werden. Niemals kann der Antisetismuü als solcher einen neuen starken Kryftallisationskern im politischen Gettiebe abgeben. Auch solche Antisemiten, die lebhaft gegen die Konservativen aaitiren. bleiben mit Naturnoth.

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