Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- Mittheilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zur Frankfurt a. Main [Rezension]
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 55 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316678-2327123--07738-2327228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Büch erschau. 55 nicht nur in jüdischen Häusern — zur Zierde zu gereichen. Diese Art der Behandlung scheint uns auf einem glücklichen Gedanken zu beruhen. Wenn Juden ausschließlich für Juden über derartige Themata schreiben, so pflegen sie meist so vieles als bekannt vorauszusetzen, daß unter unseren eigenen Glaubensgenossen nicht viele, im Stande sind, ihnen zu felgen; Nichtjuden verlieren trotz des besten Willens gar bald die Kraft und Geduld dazu. Hier nun liegt ein leicht lesbarer Text vor, welcher durch treffliche Abbildungen dem Geiste eine schnelle Anschauung vermittelt und dem Betrachter auf bequeme Weise die Ueberzeugung beibriugt, daß auch die Juden zu allen Zeiten Sinn für das Schöne gehabt, daß sie wie andere Menschenkinder ästhetisches Gefühl besessen und an der sie umgebenden Kultur regen Antheil genoumken! die Abbildungen — es finden sich deren 23 auf den 37 Seiten des Heftes — stellen altberühmte Svnagogeu lRegensburg, Venedig, Padua re.) dar; ferner Thora-Rollen und Schränke, Vorhänge, auf Pergament geschriebene Ehevcrträge, Buchdeckel u. s. w. Die Schönheit dieser Gegenstände zu schildern, ist nicht leicht — man muß die Abbildungen sehen! So manches, an dem man achtlos vorübergegauzen ist oder das man für überladen, veraltet, barbarisch gehalten hat, zeigt sich erst in seinem fnnftlcrifd)cn Werte, wenn es von einem Kunstverständigen in das richtige Licht gesetzt wird. So wird es auch mit vielen dieser Dinge gehen. Herr Frauberger bezeichnet als einen der Hauptzwecke derGesellschaft „die Sammlung reichen Materials als Unterlage zur Lösung der noch durchaus unklaren Frage über den Antheil der Juden an der bildenden Nurist." Gewiß ist diese Frage von äußerster Wichtigkeit und ihre Erörterung durch einen Kunftforschcr, wie Herrn Frauberger, erscheint vielversprechend. Derselbe ist, wie oben erwähnt, von einem rein praktischen Gesichtspunkte ansgegangen: er suchte Vorbilder und fand keine jüdischen, während katholische, evangelische, selbst muhamedanische und buddhistische im reichsten Maaße vorhanden waren. Auf diesen praktischen Zweck, die Sammlung von Vorlagen, kommt Herr Frauberger immer wieder^zurück, und wir glauben, daß dies einen Vorzug des Unternehmens bilden wird. Gerade bei wissenschaftlichen Untersuchungen über die Kulturgeschichte des Judenthums, das ja - seiner Ra'ur nach an die Schöpfungsgeschichte anknüpft und auf die unfaßbare messianische Zukunft hinwcist, liegt die Gefahr, sich in theoretische Spekulationen zu verlieren, sehr nahe; es ist darum solchen Arbeiten nur nützlich, wenn sie praktische Ziele nicht aus den Augen verlieren. Die Gesellschaft befindet sich schon jetzt im Besitze eines sehr reichhaltigen zur Veröffentlichung reisen Matenas. Sebr viel anderes