Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316678-2327096--07667-2327209- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 Aschen Reich. 300 Mk. für den Fund. Maffenhanssitchungen stehen hier bevor". — Am 15. Januar fanden drei Schulmädchen den Ueberzieher Winters auf dem Hofe der Mädchenvolksschule. Daß ein Jude dieses Kleidungsstück des Ermordteten am hellen Tage gerade dorthin gelegt haben soll, ist sicher ebensowenig glaubwürdig, wie daß ein Jude sich mit den Beinkleidern Winters, die am 12. Januar gefunden wurden, in den Logengarten gewagt haben sollte. Die Redaktion der „Staatsbürger Ztg." glaubt auch daran selbst nicht ernstlich; sie sieht aber alle Anzeichen schwinden, die ihr G legenheit zu antisemitischen Aufreizungen bieten und fürchtet nun offenbar, daß die Frevler entdeckt werden und sich als ihre Schützlinge erweisen! deshalb-fabelt sie von einem angeblichen Inden, der die in Könitz nie vorhanden gewesenen „Chassidim" des Blutmords und der Derstreuung der Kleiderstücke Winters beschuldigt haben soll. An die Existenz eines solchen jüdischen Gewährsmannes der „Staatsbürger Ztg" werden die Behörden, wird kein vernünftiger Mensch glauben, eher an die furchtbare Macht des Gewissens, welches befferes leisten wird, als die antisemitische „Aufklärungs-Vereinigung". Jetzt kommt die Aufklärung - die Sonne bringt es an den Tag! Schncidemühl, 10. Januar. Tie von dem Fleischermeister Hoffmann geleiiete antisemitische Agitation und die im Dezember von den Antisemiten Bruhn und Bindewald gehaltenen aufreizenden Vorträge haben hier bereits zu Ausschreiturgeu geführt, welche selbst die „Staatoburger- Zeitung" aus naheliegenden Gründen nachträglich als tief bedauerlich bezeichnet. In den frühen Morgenstunden des Reujahrstageö sind' 16 Fensterscheiben der Synagoge zertrünunert worden. Die unbekannt gebliebenen Thäter haben von einem in der v.öfyc befindlichen Neubau Mauersteine entnommen und damit das Gotteshaus bombardiert. lieber 20 Steine fand man im Innern der Synagoge. 44 Schönlanke, 14. Januar. Daß die Juden in der Provinz Posen numerisch stark zurückgegangen sind, ist eine statistisch feststehende Thatsache; gleichzeitig sind aber auch die wirthschastlichen Verhältnisse der Glaubensgenossen in vielen Orten der Provinz im Rückgänge begriffen. Unsere Stadt macht hierbei eine erfreuliche Ausnahme^ 'die jüdische Gemeinde hat sich in den verflossenen 25 Jahren um 25% vergrößert; es giebt hier zwar nicht sehr reiche Leute, aber auch höchstens fünf un.erstützungsbedürftige arme jüdische Familien. Verbrechen, selbst leichte Vergehen sind in der Gemeinde seit Menschengedenken nicht vorgekommen. Die jüdischen Gemeindemitglieder zahlen die Halste der Einkommen- und Gewerbesteuer; sie leben mit'der