Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 21 (sequence 1)
- Language
- German
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2L Uwfchsrr. KDach Golde drängt, am Golde hängt doch Alles; ach wir Armen!"; diese betrübende Wahrnehmung Goethes, welche Jahrtausende vorher schon Horaz gemacht, als die „Anri sacra famesa seinen Zorn erregte, hat sich in den letzten Monaten wieder Jedem aufgedrängt, als im Prozeß Sternberg ein erschreckendes Sittenbild entrollt wurde. Als jene Strafverhandlungen das öffentliche Interesse in ungewöhnlicher Weise in Anspruch nahmen, zeterten über den ohne allen Grund den Juden an die Rockschöße gehängten Wüstling am lautesten gerade diejenigen, deren Standesgenoffen im „Club der Harmlosen" kurz vorher eklatante Proben ihrer „strengen" sittlichen Begriffe geliefert hatten, besonders aber jene Männer, welche sich salbungsvoll als Stützen von Thron und Altar hinstellten, während sie gleichzeitig auf Grund gefälschter Bilanzen Tausende von Mark als Tantiemen einsteckten. Der Krach, der Spielhagen-Banken, bei dem nur Größen betheiligt waren, welche dem Judcnthum völlig fern stehen, erfolgte fast unmittelbar, nachdem die konservative Presse über die Genußsucht der Gegenwart gejammert und wörtlich erklärt harte: „In allen diesen Uebelständen, wie besonders in der Ausbeutung mancher, durch übertriebene Lebenshaltung herbeigeführten Notolagen, macht sich der zersetzende Einfluß des Judenthums bemerkbar". Die Urheber der beispiellosen Mißwirthschast, durch welche Tausende von kleinen Leuten, die jenen Banken ihre Spargroschen anvertraut hatten, ruiniert worden sind, sitzen im Gesängniß, und niemand kann Nachweisen, daß diese vier Bankdirektoren jemals unter dem Einfluß des Judenthums gestanden haben. Die Presse der politischen Partei, welcher sie angehören, macht von ihren Betrügereien bei weiten nicht das Aufheben, wie sie von früheren Delikten anderer Börsengrößen ehemals gemacht hat, und die antisemitischen Blätter Hellen entweder -fest, daß diese Bankdirektoren nicht ihre speziellen Parteigenossen waren, Lber behaupten schlankweg, daß deren „groß angelegte Betrügereien Ausnahmen bilden, während es sich anderswo um Gewohnheitsübe! handle". Der klägliche Versuch der „Staatsbürger Zeitung", die „jüdische Mammonswirthschaft" für das „wüste Spiel zur Erreichung von Millionen" verantwortlich zu machen, dürste selbst in antisemitischen Kreisen nur Achselzucken veranlassen. — Mitte Dezember wurde in Schwerin ein sensationeller Betrugsprozeß gegen den früheren Direktor des Eta-