Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- Die Juden als Soldaten
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Im deutschen Reich. Eü gereicht mir zur außerordentlichen Freude, Ihnen beigehend, ein von Sr. Majestät für tapferes Verhalten in der Schlacht von Langensalza Ihnen verliehenes Ehrenzeichen überreichen zu können. Sie sind mir immer als ein gewandter und eifriger Soldat bekannt gewesen, und freut es mich, aus den Berichten Ihrer Vorgesetzten erfahren zu haben, daß Sie durch ihr muthigeü und energisches Vorgehen sogar die Aufmerksamkeit von Offizieren anderer Bataillone auf sich gelenkt haben. Sollten Sie gewillt sein, höheren Orts Ihren Dank darzubringen, so bin ich gern gewillt, die Vermittlung desselben zu übernehmen. Ihr Sic schätzender v. Bock-Wülfingen, Obeistlieutenant und Bataillons-Kommandeur des vorm. 3. Jäger-Bataillons." In meinem derzeitigen Bataillon dienten verhältnismäßig viele Juden; alle haben sich, so viel ich weiß, gut geführt, und keiner von ihnen hat in Ausübung des Dienstes seinen christlichen Kameraden nachgestanden. Als unser Bataillon 1866 mobil gemacht wurde, da ward es unseren Reserven schwer, zu ihren Truppcnthcilen zu kommen. Das Land war bereits vom Feinde okkuppiert, und vielen ist es überhaupt nicht mehr gelungen. Sämmtliche Juden unseres Bataillons hatten sich zu ihrer Fahne eingefunden bis auf einen, — Herzfeld von der 2. Compagnie fehlte noch. Ich muß hierbei vcmerkcn, daß in der hannoo. Armee bei Mobilmachung der Soldat sich immer wieder bei dem Bataillon und bei der Compagnie, wo er ursprünglich eingestellt worden, zu melden hatte. Und als nun unser Bataillon, zur Sicherung der in Göttingen sich komplettierenden Armee, bis hinter Hannov. Minden vorgeschoben wurde, um gegen das bereits in Kassel cingerückte preußische Korps Beyer Vorpostendienst zu thun, da kanr eines Tages ein Civilist zu unserer Feldwache, fiel dem ersten Jäger in die Arme — es war Herzfeld, müde und abgehetzt; siebzehn Stunden war er marschiert, mit größter Roth den preußischen Husarenpatrouillen entkommen. Acht Tage später lag er hingcstreckt auf dem Schlachtfeld, und jetzt schläft er mit noch einem Glaubensgenossen inmitten feiner christlichen Kameraden den ewigen Schlaf. Wenn heute unser Kaiser sein Heer gegen den Feind führt, ich habe zwei Söhne, die Soldaten sind, und ich habe das stolze Bewußt-