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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 664

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
R. J. Berlin
Date
1900-12-01
Page
664 (sequence 4)
Language
German
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664 Im deutschen Reich. erwerb gezwungen und zu Pionieren der modernen Bourgeoisie künstlich gezüchtet worden sind, erblickte ich immer eins der lehrreichsten und amüsantesten Beispiele von „Ironie der Weltgeschichte". Man könnte auch sagen: von Nemesis. Nemesis ist's auch, daß die Urenkel der Raubritter, welche die Juden ausplünderten und quälten, fast allesammt im Schuldbuch der Urenkel jener Aus geplünderten sind. Und Nemesis ist's ferner, daß unsere „Edelsten der Nation", welche den Juden mit sittlicher Entrüstung vorwerfen, daß sie Wucherer seien, jetzt selber Großkornwucherer geworden sind und den Kornwucher, wie überhaupt den Lebensmittelwucher in solchem Umfang gewerbsmäßig betreiben, daß alles, was die Juden insgesammt jemals an Wucher geleistet haben, daneben ein wahres Kinderspiel ist. Apropos Wucher! Wenn den Juden der „Wucher" vorgeworfen wird, dann fällt mir immer auch ein, daß, während mir in meinem Leben oft von Juden Gutes und Freundliches gethan worden ist, der einzige Wucherer, dem ich je in die Hände gefallen bin und der mir manche angstvolle Stunde bereitet hat, ein guter Christ war, ein protestantischer Mustermensch, der jeden Sonntag zwei Mal zur Kirche ging. Es war in England, und mein Wucherer ein Engländer, triefend von Frömmigkeit und Cant, wie mein braver Reverend Nicholson. Es war ihm ein Wechsel, der meinen Namen trug, in die Hände gekommen. Es war ein Gefälligkeits-Accept zu Gunsten eines befreundeten Flüchtlings, der eine englische Instituts-Besitzerin und mit ihr das Institut selbst geheirathet hatte und durch einen Todesfall in Schwierigkeiten gerathen war, die erst nach längerer Zeit gehoben wurden. Dieser verwünschte Wechsel, der mehrere Monate als Damoklesschwert über meinem Kopf schwebte, hat aber auch etwas Gutes für mich gehabt: ich habe in meinem Leben kein zweites Wechsel- Accept gegeben." A. K. Berlin. Aus Zempelburg berichtet ein Antisemitenblatt: „In dem Bahnhofs-Restaurant von Zempelburg war ein Herr emgekehrt, der mit den Inhabern der Dampfsägewerke und Nutzholzhandlung Fork & Iacobus geschäftlich zu thun hatte. Ein Vertreter dieser Firma sandte nun dem Herrn, der bei einem Besuch in der Sagemühle die Inhaber nicht angetroffen und die Bitte hinterlaffen hatte, ihn im Bahnhofs-Restaurant aufzusuchen, die Mittheilung, daß er schon noch einmal in die Sägemühle kommen müffe, da sie in dem Bahnhofs-Restaurant nicht verkehren. Herren und Angestellte besuchen das Bahnhofs-Restaurant nicht, weil die „Staatsbürger-Zeitung", das „Konitzer Tageblatt" und det „Deutsche Michel"

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