Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1900)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1900-12-01
- Page
- 659 (sequence 5)
- Language
- German
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Veremsnachrichten. 659 Verhalten der behördlichen Organe, der Sachverständigen, der Vertheidiger, der Geschworenen, der Königlichen Staatsanwaltschaft u. s. w. eingehend besprochen und daran wurden Bemerkungen über das geknüpft, was von der Zukunft zu erwarten, und was zu thun sei, um solchen verhängnißvollen Vorurtheilen gegenüber, wie sie in der Konitzer Affaire zu Tage getreten, gerüstet zu sein, um nicht nur das Judenthum, sondern auch das gesammte deutsche Vaterland vor großem Unheil zu schützen, womit Bosheit und Dummheit die allgemeine Wohlfahrt bedrohen. Als der Redner schließlich der Hoffnung Ausdruck gab, daß doch zuletzt durch charaktervolles Verhalten, Selbstzucht und GlaubensLreue der Juden die Schmach des Jahrhunderts bezwungen und „die Hydra der Verleumdung zertreten werden würde, auch wenn ihr Lausend Köpfe nachwüchsen", fand das entrollte tiefernste Bild einen versöhnenden Abschluß, welcher die Zuhörerschaft zu losendem Beifall veranlaßte. Der Vorsitzende sprach dem Vortragenden nicht nur für seine Ausführungen, sondern auch für seine bisherigen Bemühungen in der Berliner Gruppe C den herzlichsten Dank aus, und die Versammlung schloß sich durch abermalige jubelnde Kundgebung diesem Danke stehend an. Nach Eröffnung der Diskussion berichtete der Vorsitzende über die Erfahrungen, welche er selbst in den 80er Jahren, als er das Gymnasium in Könitz besuchte, dort gemacht habe. Herr stud. jur. Emil Koratkowsky brachte in mehrfach von Widerspruch aus der Versammlung unterbrochener Rede zum Ausdruck, wie er sich eine energische Abwehr der antisemitischen Angriffe denke, wurde aber von dem nachfolgenden Redner, Herrn Redakteur R. Wohlberg, darauf aufmerksam gemacht, daß die meisten der vorgeschlagenen Abwehrmittel (Vereine für jüdische Geschichte und Literatur, Lesehallen u. s. w.) langst vorhanden seien, daß aber die öffentlichen Auseinandersetzungen mit den Antisemiten gemachten Erfahrungen keineswegs für eine Fortsetzung dieses Abwehrmittels sprachen. Der Redner streifte sodann den Levita'schen Artikel in den „Preußischen Jahrbüchern", sowie das Verhalten verschiedener politischer Blätter bei dieser Angelegenheit und erntete lebhaften Beifall mit der Aufforderung, der vom Central- Verein aufgepftanzten Fahne der Selbstvertheidigung zu folgen. Herr Dr. Wiesenthal hatte als Referent das Schlußwort, indem er das Ergebniß der Versammlung resümierte und nochmals zu einträchtigem Wirken in einer Sache ermahnte, an welcher das gesammte Vaterland betheiligt sei.