Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1900)
- Article
- Berlin
- Date
- 1900-12-01
- Page
- 647 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 647 Vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Berlin I hatte sich am 11. d. M. der Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung", Dr. Paul Bötticher, wegen Beleidigung des Realschuldirektors zu Kattowitz, Dr. H a ck s, zu verantworten. In der Nummer des AntisemiLenblattes vom 20. September d. I. erschien ein Artikel, in dem mitgetheilt wurde, daß Dr. Hacks bei einem Festmahle zur Feier der Einweihung der Synagoge in Kattowitz eine Rede gehalten habe, in der er die Toleranz pries. Daran war die Bemerkung geknüpft, daß Dr. Hacks zu damaliger Zeit als Bewerber um die Direktorstelle an der neuen Realschule in Frankfurt a. M. ausgetreten sei. Ein Mann, der gegen den jüdischen Schwindel zur Ruinierung-des Mittelstandes, die jüdische Ausbeutung des Bauernstandes und die jüdische Lüsternheit austreten würde, hätte allerdings bei der Bewerbung wenig Aussicht auf Erfolg gehabt. Wegen dieses Artikels stellte Dr. Hacks Strafantrag. Die Anklagebehörde erblickte darin den Vorwurf, er habe durch die Rede die Stelle in Frankfurt erlangen wollen und sei zum Judengenosien gestempelt worden. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 100 Mark, während der Vertheidiger R.-A. Hahn den Schutz des § 193 St.-G.-B. für seinen Klienten in Anspruch nahm. Der Gerichtshof ging über den Antrag des Staatsanwalts hinaus, erkannte aber „mit Rücksicht auf die Unbescholtenheit des Angeklagten" doch nur auf eine Geldstrafe von 150 Mark. Bezeichnend für die Leichtfertigkeit der antisemitischen Berichterstatter ist folgende Berichtigung, zu der sich die „Staatsbürger-Ztg." am 12. d. M. unter dem Druck des § 11 des Reichspreßgesetzes verstehen mußte: Berichtigung. Tie Notiz aus Schönlanke vom 2. Dezember unter der Ueberschrift: „Auch eine Weihnachrsvorsrellung" veranlagt mich zu folgender Richtigstellung: Ter Vorstand des Vaterländischen ,^-raucnvereins hier zählt neben 6 christlichen Mitgliedern, darunter die beiden evangelischen Geistlichen, 2 jüdische. Wenn der Berichterstatter oben erwähnter Notiz neben die beiden jüdischen Namen als dritten jüdischen den des Unterzeichneten setzt und, damit die Sache wahrscheinlicher klingt, diesen Namen ummodelt, so ist das eine Handlungsweise, die sich selbst richtet. Otto Altmann, evangelischer Pfarrer. In der Nacht zum 2. Dezember erlag der hochbegabte Mitarbeiter der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus", Dr. Ludwig Iaeobowski, einem Typhusanfall. Er war am 21. Januar 1868 in Strelno geboren, hat in Berlin