Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-12-01
- Page
- 641 (sequence 9)
- Language
- German
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UnUHau. rar sammengefunden. Freilich, mit so klangvollen Namen aus den Kreisen der „Edelsten der Nation", wie im Jahre 1893 und 1895, wo diese Anträge von den Freiherrn v. Hammerstein, Frhr. v. Manteuffel, v. Friesen u. a. eingebracht, bezw. uttterstützt worden waren, können die Antisemiten diesmal nicht aufmarten. Dafür haben sie aber freundliche Unterstützung bei den Wortführern des Bundes der Landwirthe gefunden. Sowohl der erste Vorsitzende des Bundes, Frhr. v. Wangenheim, wie der Direktor Dr. Hahn, als auch Dr. Oertel von der „Dtsch. Tagesztg." figurieren als Mitantragsteller unter dem Antrag, welcher sich inhaltlich mit den bekannten Anträgen aus den Jahren 1893 und 1895 im allgemeinen deckt, trotzdem unanfechtbare Statistiken seit jener Zeit die von den Antisemiten behauptete jüdische Masieneinwanderung aus dem Osten so gründlich widerlegt haben, daß diesmal die Antragsteller damit kaum auf einen Erfolg rechnen können. Tie „Köln. Ztg." brandmarkt in den schärfsten Ausdrücken die Wiederauffrischung dieses schmachvollen Antrages und sagt dabei: „Wir wollen hoffen, daß eine Berathung über diesen Antrag der vereinigten Antisemiten und Konservativen imJnteresse des Ansehens und der Würde der deutschen Volksvertretung dem Reichstag erspart werden wird." Mit beißendem Witz geißelt auch „Die Welt am Montag" das Zusammengehen der Konservativen mit den Antisemiten, welches zu einem Wahlkartell in dem Kreise Friedeberg-Arnswalde geführt hat. Das gedachte Blatt schreibt: „Nun soll noch einer behaupten, daß die konservativen Junker hochmüthige Leute seien! Wenn man sich mit den Parteigängern Ahlwardt's zu einer politischen Ehe entschließt, so zeugt das allerdings von einer gesellschaftlichen Anspruchslosigkeit, zu der sich ein Arbeiter so leicht nicht verstehen würde." — Jene „Liebermann - Antisemiten", mit welchen die Konservativen so freundlich paktiren, sind freilich die „Parteigänger Ahlwardt's" nicht mehr. Die Konservativen haben nämlich ihre gegen den Verzicht einer eigenen antisemitischen Kandidatur angebotene Unterstützung eines antisemitischen Reichstagskandidaten an die Bedingung geknüpft, daß eine Kandidatur Ahlwardt's oder von Leuten seiner Art unter allen Umständen ausgeschloffen sein müffe." Die radikalen Antisemiten in jenem Wahlkreise aber, deren Weisheitsquellen die „Staatsbürger-Ztg." und der „Deutsche General- Anzeiger" sind, halten an dem „unaufsindlichen Rektor aller Deutschen" fest, um zu zeigen, daß sie sich von Liebermann von Sonnenberg nicht zu Kostgängern des „Bundes der Landwirthe" machen laffen wollen, welchem der Herausgeber der „Staatsbürger-Ztg." seinen Miß-