Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1900)
- Article
- Die Juden als Soldaten
- Date
- 1900-12-01
- Page
- 629 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Juden als Soldaten. 629 Den Eifer und die Leistungen der jüdischen Soldaten erkannte man auch nach dem Kriege selbst an hoher Stelle an, wie folgender Brief des Fürsten Hardenberg beweist: Schreib.en des Fürsten von Hardenberg an den Grafen von Grote. d. d. 4. Januar 1815. .... Auch hat die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich bereits erwiesen, daß die Juden unseres Staats, der sie in seinen Schooß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben auch unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmuthes und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, sowie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferung jeder Art den Christen sich angeschloffen. (Siehe Betrachtungen über die Verhältniffe der jüdischen Unterthanen der preußischen Monarchie, in „Der Jude", period. Blätter von Nießer, II. Bd. S. 23.) Der Krieg war vorüber, die Reaktion hob ihr Haupt empor, und Schritt für Schritt wurden den Juden ihre wohlerworbenen Rechte wieder streitig gemacht. Im Kriege waren jüdische Soldaten zu Ofsizieren befördert worden, die preußischen Truppen vor dem Feind in blutiger Schlacht zu führen, waren sie fähig und würdig befunden worden; daß sie auch die Rekruten im Frieden ausbilden könnten, gestand ihnen der alte Judenhaß nicht zu, und nach und nach wurden die jüdischen Offiziere genöthigt, ihren Abschied zu nehmen oder sich taufen zu taffen. Schon wenige Jahre nach Beendigung der Befreiungskriege diente im preußischen Heere nur noch 1 jüdischer Offizier, der spätere Major Burg. Es wäre nicht sehr erstaunlich gewesen, wenn solche Verhältniffe den Juden die Lust am Heeresdienst benommen hättm, aber gerade das Gegentheil trat ein; die preußischen Juden thaten nach wie vor ihre Pflicht, und die Juden der Provinz Posen, die noch nicht zur Erfüllung ihrer Dienstpflicht zugelaffen waren, sandten Petition auf Petition an die Regierung, auch sie an der Ehre des, Waffendienstes theilnehmen zu lassen. Als 1846 das Gerücht verbreitet wurde, es sollten die Juden aller Provinzen aus der allgemeinen Wehrpflicht entlassen und dafür zu einer Geldstruer herangezogrn werden, da erhob sich geradezu ein