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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 623

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
Die Juden als Soldaten
Date
1900-12-01
Page
623 (sequence 3)
Language
German
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Die ^uden als ScT&aFenV der Juden an der Vertheidigung der böhmischen Hauptstadt gegen die Schweden im Jahre 1648. Wohl durfte auch der unbefangene Beurtheiler der Juden am Schlusie des achtzehnten Jahrhunderts annehmen, daß den so lange der Waffen entwöhnten Juden, die man viele Jahrhunderte hindurch unter unsagbarem Drucke gehalten hatte, die Kraft und die Eignung zum Waffenhandwerk abhanden gekommen sei. Auf diesem Standpunkt stand man in Deutschland fast allgemein, und in den deutschen Heeren, die damals noch ausnahmslos aus Berufssoldaten bestanden, bot sich kein Platz für einen Juden. Anders in Frankreich und in Polen. Die französische Revolution eröffnete den Juden die militärische Laufbahn, und mit Feuereifer warfen sie sich auf dieselbe. Zehn Jahre nach ihrer Zulassung konnte ein ossizieller Bericht 779 Juden, darunter viele Offiziere, in der französischen Armee auszählen. Aehnlich war es in Polen, wo die Juden in den Todeskämpfen des untergehenden Polens sich hohen Ruhm erwarben, und ein nur aus Israeliten bestehendes Regiment, das Praga 1795 gegen die Russen fast bis auf den letzten Mann vertheidigte, verdiente sich die besondere Hochachtung sogar des siegenden Feindes. Die preußischen Söldnerregimenter unter ihren adelsstolzen Führern stießen 1806 bei Jena mit dem Volksheere Napoleon'« zusammen und zerschellten. Preußen schien dem Untergange nahe, der Frieden von Tilsit raubte ihm die Hälfte seines Umfanges und drückte es zu einem Vasallenstaat Napoleon's herab. Zur Wiedererhebung war es gezwungen, alle Kräfte aufzubieten, und nun verschmähte man auch die Hilfe der Juden nicht mehr. Schon unter den kleinen Freiwilligenkorps, die sich 1807 in Pommern und Schlesien bildeten, befanden sich einzelne Juden, so wird z. B. ein junger Mann, Josef Freund aus Myslowitz, erwähnt, der 1808 von König Friedrich Wilhelm Hl. besondere Vergünstigungen erhielt, „wegen seiner freiwilligen und braven Militärdienste" im Kampfe gegen Napoleon. Seit 1810 fing die Regierung an, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob die Juden der allgemeinen Dienstpflicht unterworfen werden sollten, und am 11. Marz 1812 bestimmte König Friedrich Wilhelm Hl., daß auch die Juden dem Heeresdienst zu unterwerfen feien. Schon vorher warm sie in den Rheinbundstaaten mit Ausnahme von Bayern und Sachsen zum Heere herangezogen worden.

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