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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 622

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
Die Juden als Soldaten
Date
1900-12-01
Page
622 (sequence 2)
Language
German
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622 Im deutschen Reich. gegen die gewaltige syrische Macht und der Aufstand gegen die erdrückende Ueberlegenheit der römischen Weltmacht zeugen beredt von dem Muth und der kriegerischen Tüchtigkeit der Juden. Auch im römischen Heere leisteten Juden Kriegsdienst und gelangten in diesem Beruf zu hohen Stellen, bis das zur Macht gelangte Christenthum den Ausschluß der Juden forderte, und der Kaiser Theodosius II. im Jahre 418 diesem Verlangen nachgebend ein Edikt erließ, das die Juden von der Zulaffung zum Heere ausschloß. Die einmal vorhandenen Offiziere jüdischen Glaubens durften noch ihre Stellungen behalten. Seitdem wurden die Juden nach und nach in den christlichen Ländern, wie sie im allgemeinen zurückgedrängt wurden, so des Rechtes beraubt, die Waffen zu tragen, sei es auch nur zur Vertheidigung des Vaterlandes. Auch in Deutschland setzte es allmählich die Geistlichkeit durch, daß die Juden die Waffen ablegen mußten, obwohl wenigstens bis zum ersten Kreuzzuge die Waffen unfern Vorfahren nicht fremd waren. AIS z. B. Kaiser Heinrich IV. vor den aufständischen Sachsen flüchtend nach Worms kam und fast nur diese eine Stadt ihm Treue bewahrte, gaben ihm die Juden nicht bloß Geld, sondern sandten eine Schaar ihrer Jünglinge bewaffnet und beritten aus, uni mit den christlichen Bürgern den gefährdeten Kaiser einzuholen. Allein nach den Kreuzzügen und noch mehr nach den Judenverfolgungen zur Zeit des schwarzen Todes, in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, hören wir in Deutschland nur noch selten von Juden, die sich der Waffen bedienen. Anders freilich in Spanien, wo die Zahl der jüdischen Krieger sowohl auf christlicher als auf muhamedanischer Seite so groß war, daß die Feldherrn auf sie Rücksicht nahmen und für sie am Sonnabend ebenso Waffenruhe hielten, wie für die Christen am Sonntag und für die Bekenner des Islams am Freitag. Erst gegen den Ausgang des Mittelalters wurde auch hier mit der wachsenden Macht der Kirche den Juden das Recht entzogen, an der Vertheidigung der Heimath theilzunehmen, schließlich wurden sie sogar aus dem Vaterlande vertrieben. Seitdem waren, die Juden in den christlichen Ländern der Ehre beraubt, die Waffen tragen zu dürfen, und nur noch ganz vereinzelt erzählt die Geschichte von jüdischen Waffenthaten. So bezeugt z. B. noch heute in der Altneuschul-Synagoge in Prag eine von Kaiser Ferdinand HI. verliehene Fahne den ruhmreichen Antheil

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