Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- Konitz
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 601 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 601 haben, die Behörden in dieser wichtigen Sache irrezuführen. Zum Theil wenigstens hatten sie es unbedingt verschuldet, daß die Untersuchung in die Irre gegangen ist und zu keinen Resultaten geführt hat, die sonst vielleicht zu erzielen gewesen wären. Nachdem die Dertheidiger für das niedrigste Strafmaß plädiert hatten, verkündete der Gerichtshof nachstehendes Urtheil: M a s l o s f wird zu einem Jahre Zuchthaus verurtheilt und die Gesindevermietherin Roß zu 21j9 Jahren Zuchthaus, drei Jahren Ehrverlust und der dauernden Aberkennung des Rechtes, als Zeugin oder Sachverständige zu fungieren. Die Untersuchungshaft wird beiden nicht angerechnet. -j- Bütow, 10. November. In einer Volksversammlung ist hier die Gründung eines „SchutzvereinszurAbwehrjüdischer Uebergriffe" beschlossen worden. 100 Mitglieder zählt der neue Verein, dessen Gründer der antisemitische Redakteur des hiesigen Amtsblattes Röhl ist, welcher auch wohl seiner lebhaften judenfeindlichen Agitation das Mandat verdankt, das ihm bei der gestrigen Stadtverordnetenwahl zugefallen ist. K Stargard i. Pom», 3. November. Unser Vereinsmitglied, der langjährige Vorsitzende des Vorstandes der hiesigen Synagogen- Gerneinde, Rentier L. Z a ch a n, wurde zum Stadtrath gewählt und von der Regierung bestätigt. X Posen, 12. November. Der Maler T. Kusnierkiewitz in Pudewitz hatte in einem von I. Sniadecki mitunterzeichneten Schreiben an das Antisemitenblatt „Post^p" die Frau des jüdischen Glasermeisters Rosenfeld in Pudewitz beschuldigt, Blut des Dienstmädchens Hedwig Zerbian zu unbekannten Zwecken verwahrt zu haben. (Heft 6/7 dieser Zeitschrift, S. 351 ff.) Die von Frau Glasermeister Rosenfeld erhobene Privatklage hatte den Erfolg, daß am 4. d. M. Kusnierkiewitz und Sniadecki zu je 150 Mark, der Redakteur des „Post^p", Kaczmarek, zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt wurde. Außerdem wurde der Frau Rosenfeld die Befugniß zugesprochen, das Urtheil im „Post?p" zu veröffentlichen. Die Verurteilten haben Berufung eingelegt. Die „Posener Zeitung" hatte am 6. d. M. in einem längeren Artikel ausgeführt, daß sich die Juden deshalb nicht in Schaaren dem „Ostmarken-V erein" angeschloffen hätten, weil dieser Verein lediglich für die christlichen deutschen Mitbürger kämpfe, gelegentlich sogar die Juden bekämpfe. Die von dem „Bunde der Landwirthe" gegründeten „deutschen" Kaufhäuser hätten in kleinen Städten die jüdischen Geschäfte erwerbsunfähig gemacht. Es hieß dann in jenem Artikel wörtlich: „Nun stelle man