Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- Die Erlösung des Judenthums?
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 571 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Erlösung des Judentums. 571 verzehren uns vor Ungeduld, und der nach großen Fortschritten naturgemäß eintretende Rückschritt macht uns verzagen und läßt uns zu den verzweifeltsten Beschleunigungsmitteln rathen. Wollten wir doch historischer denken und eine größere Periode unseren Betrachtungen über die Fortschritte, die das Judenthum in Deutschland im vergangenen Jahrhundert gemacht hat, zu Grunde legen! Wenn wir dann die Stellung unserer Väter und gar unserer Großväter um die Mitte und zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts mit der unseligen vergleichen, dann werden wir mit Dankbarkeit zu der Vorsehung aufblicken, die uns so weit gebracht, und den Rückschritt als das hinnehmen, was er ist, als etwas Naturgemäßes. Wir werden dann weiter — jeder an sich und mit seiner ganzen Kraft — daran arbeiten, um die Vorwürfe beseitigen zu helfen, die auch nur mit einem Schein von Recht gegen uns erhoben werden können. Wir werden dies thun, wenn wir auch nicht Offiziere, auch nicht einmal Reserve-Offiziere oder Korps-Studenten werden können. Wer dann dennoch die gesellschaftlichen oder sonstigen Vortheile, die die herrschende Partei den Juden versagt, nicht entbehren zu können vermeint, wem diese höher dünken, als der Segen einer gefestigten Persönlichkeit und eines lauteren Charakters, der mag selber offen übertreten und nicht seine Kinder etwas thun lassen, was er selber verabscheut. Wem aber das Judenthum eine Lebensmacht ist, wer in ihm den von der Vorsehung bestellten Träger des reinen Monotheismus durch die Jahrtausende hindurch bis zu feinem unausbleiblichen Sieg sieht — und um das Judenthum so zu schätzen, braucht man es nur wirklich zu kennen — der wird und darf nicht nur nicht selber übertreten, sondern darf auch seine Kinder nicht übertreten lassen. Mag ihn der Gedanke noch so schmerzen, daß auch seine Kinder von ungerechten Vorurtheilen zu leiden haben werden, ihn wird auch wiederum der Gedanke trösten, daß Mensch sein heißt Kämpfer sein und Jude sein heißt Kämpfer sein für .die höchste Idee, die je ein Menschenherz bewegt hat. 3. Ja, Benedictus Levita hat Recht: es wird, wenn auch nicht in so naher Zeit, wie er anzunehmen scheint, ja, es wird einst eine Geistesschlacht innerhalb des Christenthums geschlagen werden; „hie Unität" „hie Trinität" werden die Losungsworte der beiden kämpfen-