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Im deutschen Reich · 1900-09-01 · Heft 9 (September 1900) · p. 499

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 9 (September 1900)
Article
Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit [Rezension]
Date
1900-09-01
Page
499 (sequence 11)
Language
German
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Bücherschau. 4M einer Parteilichkeit zu Gunsten der Juden geziehen werden kann, besonders hervorzuheben ist, ebenso Johann I. Schudt, der den Juden durchaus nicht freundlich war, das Gutachten der theologischen Fakultät zu Leipzig v. 8. Mai 1714, F. Haselbauer, Michaelis, Semler, Joh. Friedr. v. Meyer, Molitor, Mc. Caul, in den letzten Dezennien Delitzsch, H. Oort, Alois Müller, Dalmann, I. I. I. v. Doellinger, Erzbischöfe Latas und Nathanael, ferner christliche Zeugnisse gegen die Blutbeschuldigung der Juden (22 gelegentlich des Prozesses von Tisza-Eszlar abgegebene Aeußerungen und Gutachten von Fakultäten, Bischöfen und Gelehrten, u. a. von Delitzsch, Paul de Lagarde, Marx/ Noeldeke, C. Siegfried, H. L. Strack und Wünsche). Im Schlußkapitel: Ueber den Ursprung der „Blutöeschuldigung", stellt Strack zunächst fest, daß diese Beschuldigung gegen die Juden gelegentlich des Fuldaer Falles 1247 zuerst ausgesprochen worden, also noch nicht 700 Jahre alt ist. Er versucht Gründe anzugeben, die zu ihrer Entstehung und schnellen Verbreitung beigetragen haben dürften, weist dann ferner darauf hin, wie viel die ersten Christen selbst unter derselben zu leiden gehabt, wie aber dann die Christen, nachdem die christliche Religion zur Herrschaft gelangt war, die einft gegen ste gerichtete Verleumdung gegen andere richteten, zuerst gegen die Montanisten, im späteren Mittelalter häufig gegen die Ketzer und seit dem 13. Jahrhundert gegen die Juden. Endlich weist er darauf hin, daß solche Beschuldigungen nicht nur gegen gehaßte Religionsparteien, sondern häufig auch gegen politische Feinde gerichtet, worden sind. Schon aus dieser knappen Ueberficht, in der wir dem Gedankengang der Schrift zu folgen versucht haben, wird man ersehen, mit welchem Ernst und welcher Gründlichkeit der Verfasser an. seine Aufgabe herangetreten ist, aber auch wie glänzend er sie gelöst hat. Er hat der Lüge die Wahrheit, der Unwissenheit das Wissen, den Erfindungen und Erdichtungen die Wirklichkeit der Thatsachen gegenübergestellt. Er hat nicht nur einen guten Kampf gekämpft, sondern ihn auch mit über» legenen Waffen geführt. Er begnügt sich nicht damit, dem Gegner auf offenem Felde eine Niederlage bereitet zu haben, sondern verfolgt hn auch weiter bis hinein in alle Schlupfwinkel, in die er sich zu retten versucht, stellt ihn immer zum Kampfe, bis er ihn vollständig wehrlos und kampfunfähig macht. €6 es der Strackfchen Schrift gelingen wird, die Blutlüge, die gegenwärtig wieder in Deutschland das große Wort führt, ganz verstummen zu machen? Die „Blutbefchuldigung" erscheint, wie Strack (S. VIII) richtig bemerkt, „als ein so wirksames Mittel, die Dolksmafsen aufmreiren. dak der

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