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Im deutschen Reich · 1900-09-01 · Heft 9 (September 1900) · p. 479

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 9 (September 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-09-01
Page
479 (sequence 2)
Language
German
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.Vereinsnachrichten. 479 Zeichen? Es ruft zum Kampf für die heiligsten Güter unseres Volkes!" So schreibt das Berliner Antisemitenblatt und fügt hinzu: „Unter dem blutigen Scheine des Konitzer Fanals tagt der Magdeburger Parteitag!" Auch uns, gegen welche sich in dieser Weise die unversöhnlichen Gegner richten, mahnt jener blutige Schein zum Kampf, Die bedenklichen Erscheinungen, die mit der Konitzer Affaire verbunden waren und zahllose unschuldige Glaubensgenossen im ganzen dortigen Kreise erwerbsunfähig gemacht und in's Elend getrieben haben, sind nur eine Folge des kulturfeindlichen Treibens jener lichtscheuen Gesellen, welche das deutsche Volk wieder auf den Standpunkt zurückzusühren streben, auf dem es sich im dunkelsten Mittelalter befand. In diesem Kampfe bandelt es sich, längst nicht mehr um das Schicksal des kleinen jüdischen Bruchtheils des deutschen Volkes, sondern um die heiligsten Güter des ganzen Volkes, dessen Wohlfahrt davon abhängt, daß seine bürgerliche Freiheit gesichert, daß allen seinen Bürgern gleiches Recht gewährt und unter diesen eine echt menschenfreundliche und brüderliche Gesinnung gehegt und gepflegt wird. Unsere Gegner rühmen sich heuchlerisch, auf deutsch-nationalem, monarchischem und christlichem Boden zu stehen. Ihre „nationale" Gesinnung hindert sie aber nicht, sich mit den ärgsten Feinden der Deutschen zu verbrüdern, wenn diese nur nebenher zuweilen Iudenhetzen veranstalten; ihre „monarchische" Gesinnung verträgt sich mit hochverräterischen Acußerungen über eine angebliche „judensreundliche Nebenregierung", ihre „christliche" Gesinnung mit beständiger Befehdung des Stammes, welchem die Apostel sich anzugehören rühmten, mit der Beschimpfung der von der Kirche als heilig verehrten Patriarchen und des Sängerkönigs, desien Psalmen in allen christlichen Andachtsstätten widertönen! Streiten wir gegen diese Heuchler, so kämpfen wir einen guten Kampf, den der Wahrheit gegen die Lüge, den des Lichtes gegen die Finsterniß, den der Freiheit gegen die Knechtschaft, den der Menschlichkeit gegen die roheste Unkultur, den der göttlichen Offenbarungsreligion gegen den Wotansdienst, die heidnische Vergötterung der Naturgewalten! Der Sieg wird nicht leicht zu erringen sein, aber er wird nicht ausbleiben, denn mit uns ist Gott und jeder Freund des Rechts, der Wahrheit und des Lichts! Unsere Stimmung ähnelt deshalb derjenigen, in welcher einst Feodor Löwe die jetzige Jahreszeit mit den Worten begrüßte: „Laß uns die herbstlich schönen Tage faffen. Gehegter Zweifel trübe Klage Haffen, Der spätern Zeit die ernste Frage laffen.

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