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Im deutschen Reich · 1900-09-01 · Heft 9 (September 1900) · p. 471

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 9 (September 1900)
Article
Konitz
Date
1900-09-01
Page
471 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 471 wohl haben aber die Juden in Schlochau korporativ ihre Ansprüche wegen Schadenersatzes bei dem Magistrat geltend gemacht, der sie nicht definitiv abgewiesen, sondern vertröstet hat. Sollte der Magistrat in Schlochau die Entschädigungsansprüche abweisen, so wird erst der Klageweg beschritten werden. Achtungsvoll Der Vorstand der Cynagogen-Gemeinde zu Schlochau." — In Schlochau hat der von den Antisemiten beständig gepredigte Boykott der jüdischen Geschäfte den Konkurs der Uhren-, Gold- und Siiberwaarenhandlung von S. Schnell herbeigesührt. Der Letztere, welcher früher ein gutes Geschäft machte, hat in letzter Zeit Tage lang keinen Pfennig eingenommen. — Hier in Könitz wurde ein Gymnasiast mit Carcer bestraft und dann aus dem Gymnasium ausgewiesen, weil er auf offener Straße eine jüdische junge Dame beleidigt und dem Direktor gegenüber sich entschieden geweigert hatte, Abbitte zu leisten. — In Prechlau macht sich unter den Juden der Auswanderungstrieb sehr bemerkbar. Mehrere jüdische Familien haben den unleidlich gewordenen Ort bereits Verlusten, die zurückgebliebenen suchen ihre Grundstücke zu jedem nur annehmbaren Preise zu veräußern. — Aus Kamin wird uns berichtet: „Ten wenigen jüdischen Familien in Kamin geht es sehr traurig. Sie sind von der verhetzten Bevölkerung beständig bedroht, werden gewaltthätig behandelt und finden von keiner Seite Schutz. Zwei von ihnen, die Brüder Landecker, sind in Folge von Mißhandlungen geisteskrank geworden und mußten in ein Irrenhaus geschafft werden. Die andern Juden wollen den Ort, in welchem sie seit undenklichen Zeiten friedlich mit der Bevölkerung lebten, verlasten. Sie wagen es nicht, ihre kleine, früher schon arg zertrümmerte, jetzt wieder nothdürftig hergestellte Synagoge zu benutzen und wollen ihren Gottesdienst an den Feiertagen in einem Privathause abhalten. Als am 15 d. M. der Lehrling des Kaufmannns Rosenthal um II Uhr Abends mit dem Zuge auf dem Bahnhofe anlangte, wurde er überfallen und mißhandelt. Er flüchtete auf's offene Feld und war froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein." -— Am 8. September begann die Verhandlung gegen den der Begünstigung angeklagten Abdecker W o l f I s r a e l S l i vor der Ferienstrafkammer desKonitzer Landgerichts. Nach Verlesung der Antlageschrist bekennt sich Jsraelski für nichtschuldig; er will am Charfreitag einen Sack nicht getragen haben und bestreitet die Richtigkeit der Aussagen des Belastungszeugen Botenmeister Fiedler. Auf der Mühlenstraße will Angeklagter an jenem Tage gegangen fein, jedoch nicht die Schützenstraße entlang zur Stelle, wo der Kopf des Winter gesunden wurde. Der Präsident hält dem Angeklagten vor, daß er bei seiner ersten

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