Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 458 (sequence 5)
- Language
- German
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458 3m deutschen Reich. Kandidatur des eingesessenen Gutsbesitzers Lippoldes ist den Antisemiten besonders unbequem; aber auch die des Freisinnigen Ernst scheint ihnen -fatal. Die „Staatsbürger-Ztg." schimpft daher auf „Eugen den Lauten, den die „Alliance Jsra6lite" zum Ehrenmitglied ernennen und dem diese vor dem Konitzer Schlachthause ein Denkmal setzen lassen solle." Für die bayrischen Antisemiten, welche noch in weit höherem Grade als ihre übrigen süddeutschen Gesinnungsgenossen eingefleischte Partikularsten sind, wäre ein deutsch-nationales Programm völlig unverständlich. Ihr Hauptorgan, das judenfeindliche Sigl'sche „Bayerische Vaterland", entblödet sich nicht zu schreiben: „Die „Alldeutschen" Hanswursten stellen sich plötzlich vernünftig, indem sie die Sedansfeier abschaffen wollen. Woher diese plötzliche Erleuchtung kommt, wollen wir den Herrschaften hiermit erklären. In fünf Jahren schreiben wir 1906 und am 14. Oktober 1806 hat Napoleon I. die Preußen bei Jena verdroschen, daß „die Lappen flogen", worauf dann die bekannte Schmachperiode Preußens folgte. Wenn die „Alldeutschen" Hansdampfe aber gar so sehr sedaneln, dann könnte es 'den Franzosen einfallen, am 14. Oktober 1906 ordentlich' zu jenaern und später auch noch die verschiedenen anderen Episoden des Krieges 1806/7 aufzutischen. Dabei aber kämen die Herren böse unter die Räder, weil sie nicht, nur elend verhauen wurden, sondern auch noch an Feigheit Niedagewesenes leisteten, während die Franzosen 1870/71 sich durch Tapferkeit und Ausdauer auszeichneten. Hätten sie ihre wichtigste Armee, die Rheinarmee, nicht dem traurigen Individuum Bazaine, sondern einem Chanzy anvertraut, so wären die Preußen auch 1870 vermöbelt worden." Es genügt eigentlich, derartiges „niedriger zu hängen", aber diese undeutsche Aeußerung hat die sich mit ihrer „deutsch-nationalen" Gesinnung stets brüstende „Staatsbg.-Ztg." so wenig verletzt, daß sie eine fast gleichzeitige Schimpferei Dr. Sigl's über jüdische Beiträge zur Ausschmückung der Stadt Bonn bei Gelegenheit des Katholikentages als „Wort zur rechten Zeit" bezeichnet und nur hinzufügt: „Im Kern hat Sigl recht, nur schade, daß er die Wirkung seiner guten Sache immer wieder durch überflüssige und gehässige Seitenhiebe aufhebt". Als die „gute Sache" Sigl's gilt der „Staatsbürger-Ztg." offenbar jeder Ausfall gegen die Juden; seine noch weit gehässigeren Ausfälle gegen die Preußen gelten ihr nur als überflüssige Seitenhiebe. Der Geschästsantisemitismus macht unverkennbar gegen solche Kleinigkeiten unempfindlich, aber sehr unangenehm berührt es das Antisemitenblatt, daß ihr derselbe selbst von der „Täglichen Rundschau" vorgeworfen wird, die nichts weniger als judenfreundlich ist. Daß deshalb Herr Bruhn dem Herrn Rippler