Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- Die Einsegnung der jüdischen Soldaten in Breslau (1813)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 445 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316672-2326587--07118-2326663- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Einsegnung der jüdischen Loldaten in Breslau (*8^3). 445 wurde zum Besten der freiwilligen Jäger kollektiert und das Gesammelte unter die Bedürftigen zur vollständigen Ausrüstung vertheilt. Die Rede des Oberrabbiners Karfunkel ist besonders beachtenswerth. Bekanntlich spielte in den Debatten zur Emanzipation der Juden die Frage eine bedeutende Rolle, ob die jüdischen Feiertage und Ceremonieen nicht ein Hinderniß wären, die Israeliten zum Kriegsdienst heranzuziehen. Besonders war es Michaelis, der den ablehnenden Standpunkt mit Energie verfocht. Dohm ging auf diesen Punkt des Näheren ein, um zum Schluß ein Wort Mendelssohn's zu citieren: „Soll das Vaterland vertheidigt werden, so soll jeder eilen, deffen Beruf es ist. Die Menschen wissen in solchen Fällen schon ihre Meinungen zu modifizieren und so zu wenden, daß fie mit ihrem bürgerlichen Berufe übereinstimmen. Man suche ihnen nur diesen Widerspruch nicht auffallend zu machen".*) Die Worte Karfunkel's haben ihre Richtung und Tendenz durch jene Befürchtung erhalten, daß die Jnnehaltung jüdischer Satzungen und Bräuche zum Kriegsdienst untauglich mache. „Gott wird Euren Dienst für'S Vaterland als Gebet annehmen' — eine eben so tief religiöse wie innigpatriotische Auffassung. *). Vgl. meine Abhandlung: „Ueber die Militärpflicht der Juden Preußens." Mittheilungen z. Abw. d. Antisem. l8S8. Nr. SS, 40, 41, 42.