Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- Die Einsegnung der jüdischen Soldaten in Breslau (1813)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 444 (sequence 2)
- Language
- German
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444 Im deutschen Reich. schaft freiwillig zum Kampf für die Vertheidigung des Vaterlandes. Ueber den Verlauf der Feier bringt die „Vossische Zeitung" vom 27. März 1813 einen aus Breslau datierten Bericht: „Herr Neumann, Oberlehrer und Inspektor an der hiesigen Königlichen Wilhelmsschule, übernahm auf Ersuchen der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde die feierliche Veranstaltung des Aktus. Zu diesem Zwecke ließ er in der Synagoge, wo ein großer Theil der hiesigen Einwohner jüdischer Religion sich versammelte, einige zu diesem Zwecke sehr passende Kapitel aus den Psalmen singen. Darauf sprach Herr Neumann sehr kräftig über die Lage der Israeliten in neueren Zeiten, trug dann im Namen der Krieger den 27. Psalm deutsch vor und wendete sich besonders an die jüngeren Krieger und machte sie auf die Heiligkeit ihres Berufes aufmerksam und ermunterte sie zur Erfüllung desselben." Er schloß mit den Bibelversen (V. Buch Mose, Kapit. 20, Vers 3 und 4): Israel höre zu! Ihr gehet heut in den Streit wider eure Feinde; euer Herz verzage nicht, fürchtet euch nicht, und erschreckt nicht, und laßt euch nicht grauen vor ihnen; denn der Herr, euer Gott, gehet mit euch, daß er für euch streite mit euren Feinden, euch zu helfen. Hierauf ergriff der Oberrabbiner der Provinz Schlesien Karfunkel, ein Greis von 70 Jahren, das Wort und hielt eine begeisterte Ansprache an die junge Mannschaft. Ein Auszug aus dieser Rede findet sich im (Heinemann) „Allgemeinen Archiv des Judenthums." Bd. II. Berlin. 1842. Darin heißt es: „Gehet hin in den Kampf für König und Vaterland! Mit dem Augenblicke, da ihr in den Kriegsdienst tretet, habt ihr nur an den König und das Vaterland zu denken. Eure religiösen Pflichten hören dann auf! Ihr könnt genießen, was euch geboten wird. Ihr braucht keine Tfillim (Gebetriemen) zu legen, wenn ihr nicht könnt. Führt sie bei euch; aber ihr braucht sie nicht zu benutzen: auch braucht ihr nicht mit dem Munde zu beten, sondern denket, so oft ihr könnt, an Gott und betet auch das Sch'mah nur im Herzen: Gott wird euren Dienst für's Vaterland als Gebet annehmen und euch mit Ehre geschmückt zu den Eurigen zurückführen." Nach beendigtem Aktus — schreibt die „Vossische Zeitung" —