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Im deutschen Reich · 1900-09-01 · Heft 9 (September 1900) · p. 441

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 9 (September 1900)
Article
Unfreiwillige Absonderung
Date
1900-09-01
Page
441 (sequence 5)
Language
German
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Unfreiwillige Absonderung. 441 licher Gesinnung, sind bekanntlich seit einigen Jahren „judenrein"; auch sie bekunden ihr Deutschthum durch die Ausschließung der Juden. Der jüdische Student sagt sich also: „Ihr wollt mich nicht haben, Ihr dünkt Euch etwas Befferes zu sein; ich bin zu stolz, um mich Euch aufzudrängen, dann kehre ich mich von Euch ab und vertheidige das geschmähte Judenthum." Aus Trotz klammert er sich anJdeale, die er längst aufgegeben hatte. Was ist z. B. der ganze Zionismus der jüdischen Jugend in Deutschland anders, als ein bloßer Trotz gegen ihre Verkennung, als eine Reaktion gegen den Antisemitismus? Die russischen und galizischen Juden sind ihrer Lebensanschauung nach noch zum großen Theil jüdisch-national. Die deutschen Juden haben seit Generationen diese Gesinnung aufgegeben, sie können das Nationaljudenthum kaum verstehen, geschweige empsinden. Es ist gar kein Zweifel, die jüdischen Studentenverbindungen sind von einem Bedürfniß erzeugt worden. Es mußten Stätten geschaffen werden, wo der jüdische Student sich frei und ungezwungen bewegen kann, und sie bilden eine größere Nothwendigkeit als spezisisch katholische oder evangelische Verbindungen. Wenn ich nach Heidelberg komme und die Herren der jüdischen Verbindung „Badenia" sehe, so muß ich an die antisemitische Bewegung und ihre Früchte denken. Gewiß, das Farbentragen und Gesichterzerschneiden sind alte Zöpfe, die einen Modem denkenden Menschen komisch berühren. Freie Verbindungm für wiffenschaftliche Anregungen und zur Pflege einer schlicht menschlichen fröhlichen Geselligkeit wären ohne Zweifel das einzig Richtige für christliche und jüdische Studenten. Aber ich habe Achtung vor diesen Herren, die sich offen als Juden bekennen und als solche ihre Ehre schützen. Es gehört sicherlich Mannesmuth dazu, mit diesen gelben Mützen umher zu gehen. Ihre christlichen Kommilitonen lieben sie darum nicht mehr, aber sie haben Respekt vor ihnen. Ehrlicher Muth wird auch beim Gegner geachtet. Die Juden haben sich in Deutschland niemals freiwillig abgesondert. Sie haben auf manches Verzicht geleistet und lechzten danach, mit den Andem verschmolzen zu werden. Aber, um sich zu amalgamieren, muß man gern ausgenommen werden, aber sie wurden gar häusig rücksichtslos zurückgestoßen, als sie die Bruderhand erfassm wollten. Nicht sie trifft der Vor-

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