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Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 530

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-10-01
Page
530 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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530 3m deutschen' Reich. Augustaschule konnte sich die königliche Behörde leider darauf berufen, daß von 29 jüdischen Schülerinnen in der Mittelstufe der Elisabethschule auf Wunsch ihrerEltern 11 am christlichen Religionsunterricht theilnehmen. Unverhüllt tritt die Neigung, die Kinder einem Glauben zuzuführen, den man selbst zu bekennen zögert, in einem Aussatz von Venediktus Levita hervor, der in dem Oktober - Heft der „Preußischen Jahrbücher" veröffentlicht wurde. Die „Tägliche Rundschau" sagt von demselben: „Er ist kein Jude mehr, aber er bekennt, auch kein Christ sein zu können, denn die Lehre vom Gottmenschen kann er mit seinem Gottesöegriff nicht vereinigen. Das Wort erstürbe ihm in der Kehle, wenn er, bekennen wollend, an die Stelle käme „und ich glaube an seinen eingeborenen Sohn". Unser ehemaliger Jude, der nicht vorwärts und nicht rückwärts kann, empfiehlt allen mitfühlenden Glaubensgenossen — oder Leidensgenossen? — am Schluß, die Kinder den unbewußten Schritt vorwärts thun zu laffcn, die Kinder christlich erziehen zu lassen." Er schreibt: „Das Blatt Papier, das uns am Uebertritt hinderte, für unsere Kinder ist es nicht vorhanden. Das gelobte Land, das wir nur von ferne schauen dursten, unsere Kinder sollen es erben. Sie sollen Theil nehmen an der großen Geisterschlacht, die innerhalb des Christenthums geschlagen wird. Wie? Seht Ihr nicht auf den Bergen die Feuerzeichen, hört Ihr nicht auf den Gaffen den Kampfesruf? Und Ihr, Männer von Juda, wolltet bei Seite stehen in solchem Kamps? Das Volk Gottes will nicht streiten den Streit des Herrn? Nein! Unser ist der Kampf, der hier gekämpft wird. Unser war der Prophet, der das Gesetz zerbrach und die Liebe lehrte. Den die Vorfahren kreuzigten, er wird der Nachkommen Lehrer und Meister. Der ewige Jude stirbt. Unsere Kinder werden Christe n." — Der sonderbare „Lcvit" ist ein falscher Prophet; unsere Kinder werden, weil sie eine große Leidensschule durchzumachen haben, glaubensstarke Juden, aber dabei auch wackere Mitkämpfer in der großen Geisierschlacht werden, bei welcher es sich freilich nicht um eine Fehde zwischen Christen und Juden, sondern um eine solche zwischen Menschlichkeit und Unkultur, den Bekennern der Offenbarungs-Religion und den heidnischgesinnten Raffehetzern handelt. Der ewige Jude stirbt nicht; wie er jahrtausendlange Leiden überlebt, wird, er auch die jetzige Prüsungszeit überdauern, weil er eine große Mission zu erfüllen hat. An die Wand derjenigen aber, die aus Affenliebe ihren Kindern den Ruhm rauben, an diesem Werke mitzuarbeiten, schreibt er mit Gluthbuchstaben die Worte: „Nens tekel upharsini“ A. L.

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