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Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 529

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-10-01
Page
529 (sequence 10)
Language
German
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Umschau. 529 Mitter m ayer sich vor der Wiener Strafkammer dafür zu verantii orten hatte, daß er einem Gastwirth gedroht, „mit tausend Arbeitern zu kommen und die Bude in- und auswendig zu demolieren", gab der wackere Volksvertreter an, betrunken gewesen zu sein. Sein Verteidiger aber machte als Milderungsgrund geltend, daß der Angeklagte von geringer Bildung und verwahrloster Erziehung sei. MitLmayer wuroe zu einem Monat schweren Kerkers verurtheilt. Die im Juli vorigen Jahres vor dem Tarnopoler Schwurgericht erfolgte Verurtheilung des Leib Kwasmann zu drei Jahren Kerker erregte deshalb besonderes Aussehen, weil der Staatsanwalts-Substitut L. S. von Bernczinicki in seinem Plaidoyer die Behauptung aufgestellt hatte, daß „die jüdische Religion den Juden gebiete, Betrügereien zu ihrer Erhaltung zu verüben". Der Abg. Tr. Byk, Mitglied des Polenklubs, richtete deshalb an den Justizminister eine Beschwerde; außerdem aber wurde die Hetzrede des Staatsanwalts-Vertreters von Tarnopol in der Zeitschrift „Das Barreau" einer Kritik unterzogen, welche wegen der darin enthaltenen beschimpfenden Ausdrücke den Ritter von Verncznicki zur Erhebung der Beleidigungsklage veranlagte. Tie schärfste Kritik erfuhr seine Aeußerung aber dadurch, daß der Kassationshof das Erkenntniß aufhob und das Tarnopoler Schwurgericht in dem am 13. September wieder aufgenommenen Prozeß Kwasmann von der Anklage des Betruges einstimmig, von derjenigen der leichtsinnigen Crida mit Stimmenmehrheit frei'prach. Solche Aeußerungen, wie die, welche bei der ersten Verhandlung in Tarnopol zu einer Verurtheilung führten, machen Unthaten erklärlich, wie diejenige, welche am 1. Oktober in Zalucze in Galizien verübt wurde, wo bewaffnete Bauern den jüdischen Gastwirth Sigel zu Tode marterten, seine Frau und seine Magd lebensgefährlich verletzten und das Wirthshaus vollständig plünderten. Wie sehr die antisemitische Hetzerei in 3! u m ä n i e n dort die Eemüther verwildert, die Existenz von vielen Tausenden vernichtet und den Wohlstand des ganzen Landes untergraben hat, tritt immer mehr zu Tage. Der französtsche Senator Trarieux veranstaltet deshalb eine Anfrage bei den Sektionen der „Liga zum Schutz der Menschenrechte", um einen Aufruf an die Rumänen zu richten, in dem sie zur Gewährung voller Rechte an die Juden in Rumänien aufgefordert werden. Zu den traurigsten Folgen der antisemitischen Bewegung gehören die Eindrücke, welche dieselbe auf manche schüchterne und leicht verzagte jüdische Gimüther gemacht hat. In dem ablehnenden Bescheide des Provinzial- Schulkollegiums auf das Gesuch der Berliner jüdischen Gemeinde um Einführung des jüdischen Religionsunterrichts an der Elisabeth- und der

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