Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 509

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
Die Juden in Italien
Date
1900-10-01
Page
509 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316663-2316673-2326432--07241-2326511
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Inden in Italien. 509 nicht nach seiner Weise, ohne sich mit anderen zu befassen. Der Katholizismus in der Lombardei ist sehr viel stärker als er bei den politischen Kundgebungen erscheint; er ist intransigent für sich, aber nicht intolerant gegen die anderen Kulte. Die Israeliten leben in Mailand ausgezeichnet, eben weil sie nicht eine besondere Klasse bilden. Erst seit wenigen Jahren, al« sie sich an Zahl wachsen sahen, dachten sie daran, zu einer kleinen Gemeinde zusammenzutreten, sich einen kleinen Tempel und einen Rabbiner zu schaffen. Die Bevölkerung aller Kreise kümmerte und kümmert sich in keiner Weise darum, und viele ignorieren wahrscheinlich diesen winzigen Theil der städtischen Bevölkerung, der sie nicht berührt und interessiert.. Florenz bietet viele Berührnngspunkte mit Mailand. In Toskana gab Leopold II. im Jahre 1848 die liberale Verfassung und stellte damit alle Religionen vor dem Gesetze gleich. Als er aber 1849 aus der Verbannung auf den Thron zurückkehrte, schaffte er die Verfassung ab, so daß die Juden in die alte Knechtschaft zurückkehrten und die Freiheit erst bei der allgemeinen Revolution von 1859 wiedererhielten. Doch in Toskana war die Gewohnheit dem bürgerlichen Gesetze zuerst vorausgeeilt und widerstand später dem der Reaktion. In Florenz zeichneten sich die Juden, obwohl unterdrückt, in den Wissenschaften aus, gelangten in die bessere Gesellschaft, brachten sich mit den geschätztesten Persönlichkeiten in Berührung und damit zur Geltung und Achtung. In Toskana, mehr als anderswo, bemühten und bemühen sich noch gegenwärtig die Klerikalen. Groll und Haß zu säen; aber sie haben damit nur Glück bei einem kleinen Theile der ihnen ergebenen Aristokratie oder bei einem Theile der unteren Klassen, welche an sie durch Vorurtheile oder Interessen gefesselt sind. Vielleicht ist bei vielen das innerste Gefühl den Juden nicht günstig; aber die Erziehung zügelt sie, und die Lebensart hält sie zurück. In Florenz bekennt sich niemand und wird sich niemals jemand offen zum Antisemitismus bekennen. Rom verdient besondere Beachtung. In Rom waren die Juden bls 1870 einem so harten Joche wie in keiner anderen Landschaft Italiens unterworfen. Durch solche Uebertreibungen wurde in der Bevölkerung eher Mitleid als Haß wachgerufen. Diese Gesinnung dauerte auch nach der Befreiung. Selbstverständ-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.