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Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 502

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
Antisemitischer Thierschutz
Date
1900-10-01
Page
502 (sequence 2)
Language
German
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602 Im deutschen Reich. schächtetem Vieh Verwendung findet. Es ist Thatsache, daß in den letzten Jahren nur noch eine ganz verschwindend geringe Anzahl von Thierärzten und nur äußerst Wenige Thierschutzvcreine sich gegen das Schächten erklärten, während die meisten dieser Vereine sich auf den Standpunkt der für die rituelle Schlachtmethode abgegebenen zahlreichen Gutachten stellten, welche im Jahre 1894 in einer bei Emil Apolant erschienenen Sammlung der Oeffentlichkeit übergeben worden sind. In der Schweiz sind neuerdings und zwar insbesondere in den katholischen Kreisen zahlreiche Stimmen laut geworden, welche unter Hinweis auf die Verhandlungen des deutschen Reichstages und des badischen Landtages eine Aufhebung des Schächtverbots angeregt haben. Auch im Königreich Sachsen dürfte die Stellungnahme des katholischen Centrums nicht ohne nachhaltigen Eindruck geblieben sein, zumal dort der früher von Freunden des Schächtverbots zugegebene Nebenzweck, durch dasselbe den Zuzug ausländischer Juden zu verhindern, sich als verfehlt erwiesen hat, außerdem die sächsischen Fachmänner, welche die Einführung des Verbotes seiner Zeit befürwortet haben, von der Bildfläche verschwunden sind und sich jetzt selbst in Sachsen kaum noch Sachverständige finden würden, die ihre wissenschaftliche Autorität durch ein Gutachten gegen das Schächten gefährden möchten. Um so bedauerlicher ist es, daß der Berliner Thierschutzverein, welcher die kräftigste Unterstützung bei allen echten Thierschutzbestrebungen verdient, sich dazu mißbrauchen läßt, einen neuen Vorstoß der antisemitischen Menschenquäler dadurch zu ermöglichen, daß er neuerdings wieder die von berufener Seite gründlich widerlegte Behauptung der „Thierquälereien bei dem Schächten" verbreitet. Der edle Zweck des Thierschutzcs würde wahrlich weit besser gefördert, wenn sich der Berliner Thierschutzverein auf Gebieten bethätigte, wo wirklich Thiere des Schutzes bedürfen, wenn er gegen die Grausamkeiten, welche so häufig von Sonntagsjägern verübt werden, gegen den Sport des Taubenschießens, gegen Parforce- und Hetzjagden u. a. ähnliche Dinge energisch Front machte, statt die Zwecke einer Partei zu fördern, welche die Maske des Thierschutzes gebraucht, um eine Agitation fortzusetzen, die als das Gegentheil der Humanität betrachtet werden muß. Scheut sich diese Partei nicht, die

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