Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 8 (August 1900)
- Article
- Die Kundgebung jüdischer Studenten
- Date
- 1900-08-01
- Page
- 378 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316671-2326257--06978-2326337- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
378 Im deutschen Reich. gefährdet, ihre wirthschastliche Existenz vernichtet, sie seelisch an den Rand der Verzweiflung drängt. Schon der Gedanke an die bloße Möglichkeit solcher Schandthaten kränkt unser Ehrgefühl auf's bitterste; wir verwahren uns auf's schärfste dagegen, daß man' uns unseres Glaubens und unserer Abstammung wegen die Anhänglichkeit an die deutsche Heimath gewaltsam zu rauben sucht. Unsere Glaubensgenossen rufen wir auf, daran zu denken, daß, wenn auch die Staatsregierung pflichtgemäßer Weise für Aufrechterhaltung der äußeren Ordnung Sorge trägt, sie der Nothwendigkeit nicht enthoben sind, selbst in den schweren Kampf einzutreten für ihre heiligen Menschenrechte. „Wenn ich mir selber nicht helfe, wer denn? Und wenn nicht heute, wann dann?!" Der Konitzer Gemeinde die Versicherung innigen Mitgefühls, mögen ihre Mitglieder mit trotzigem' Muth das bittere Geschick tragen, als Nachkommen eines der ältesten Kulturvölker der Welt den Verheerungen der Unkultur ausgesetzt zu sein." Diese völlig den leitenden Grundsätzen des „Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" entsprechende Kundgebung der jüdischen Studenten in Bonn, welcher sich seitdem auch andere jüdische Studentenkreise angeschlossen haben, veranlaßte bald nach ihrer Veröffentlichung die „Münchener Allgem. Ztg.", gegen diese Erklärung Stellung zu nehmen. In dem genannten Blatte wurde nicht nur den Bonner jüdischen Studenten die Berechtigung abgesprochen, in der Konitzer Angelegenheit das Wort zu ergreifen, sondern auch vorgeworfen, lokale Zwischenfülle zu verallgemeinern und ohne genügenden Grund von dem Versuche zu sprechen, ihren Glaubensgenossen wegen ihres Glaubens und ihrer Abstammung die Anhäüglichkeit an die deutsche Heimath zu rauben. Es müsse provozierend wirken, wenn'sie sich als Nachkommen eines der ältesten Kulturvölker und die Bewohner der Stadt Könitz als Repräsentanten der Unkultur hinstellten; die Anhänglichkeit an die deutsche Heimath könne aber den „Nheno-Silesen" kaum recht in Fleisch und B -n übergegangen sein, da sie sich durch eine spezifisch-jüdische Studentenverbindung schon auf der Universität von ihren christlichen Landsleuten abgesondert hätten. Diese seltsame Kritik einer aus den' edelsten Beweggründen hervorgegangenen Kundgebung verdiente entschiedene Zurückweisung;