Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- Soziale Streitfragen [Rezension]
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 375 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherschau. 375 stück", nicht „Dein Land", nicht „das Land, welches Du kaufte st", sondern „das Land, welches derHerr, DeinGott, Dirgieb 1", „das Land, welches der Herr Dir leih t". Wie Gott/ der das Land geschaffen, der Vater aller Menschen ist, so sollen auch alle Antheil an dem Werke des Vaters haben. Dabei wird weder eine schematische Gleichmacherei durchgeführt, noch der Besitz durch das Gebot der Unveräußerlichkeit gebunden, der Einzelne hat die Bethätigung seiner Arbeitskraft und Arbeitslust frei und kann durch Fleiß seinen Besitz vermehren, kann nicht durch Gesetze vor dem Verlust seines Besitzes geschützt werden; aber durch die Einrichtung des Jubeljahres wurde immer wieder ein Ausgleich geschaffen und dem Verarmten oder seiner Familie aufgeholsen. So wurde das Unglück verhütet, „welches in späteren Jahrhunderten am Herzen Roms nagte, welches die vertierende Leibeigenschaft Polens und das dürre Elend Irlands hervorbrachte, das Unrecht, welches heutzutage ganze Familien in einzelne Zimmer zusammendrängt und unsere Landstraßen mit Vagabunden bevölkert". Verfasser weiß wohl, daß die Formen und der Wortlaut der Gesetze, die für jenes Volk und jene Zeiten zweckdienlich waren, nicht für alle Völker und Zeiten passen, aber auch für die Gegenwart und für alle Zeiten verlangt er Anerkennung des Geistes, in dem diese Gesetze und Einrichtungen gegeben worden sind, des Geistes der Liebe. In der gerechten - Dertheilung und zweckmäßigen Ausnutzung des Bodens sieht er den Hauptvorzug der israelitischen Verfassung, die große 'Weisheit des Gesetzgebers; von der Wiederaufnahme' dieser Grundsätze hofft er auch für die Zukunft das Heil des Menschengeschlechtes. — Auch die übrigen Gesetze Moses weiß Verfasser richtig zu würdigen, z. B. die soziale Bedeutung des Sabbaths, und mit treffendem Wort zu charakterisieren. Von dem ganzen Werke urtheilt er (S. 10—11): „Nicht ein Werk, wie es in Egypten zur vollen Entwickelung gelangt war, oder wie es in rudimentärer, patriarchalischer Form bei den Stämmen ringsum bestand, wollte Moses gründen. Es war auch nicht eine Republik, in der die Freiheit des Bürgers auf der Knechtschaft des spartanischen Sklaven beruhte und die Persönlichkeit dem Staat geopfert wurde. Es war ein Gemeinwesen auf dem Individuum begründet, ein Gemeinwesen, dessen Ideales war, daß jeder unter seinem eigenen Weinstock und Feigenbaum sitzen sollte, ohne daß einer ihn quälen oder erschrecken durfte; ein Gemeinwesen, in welchem niemand zu unaufhörlicher Mühseligkeit verurtheilt sein, in welchem eS selbst für den Sklaven Hoffnung, für das Lastthier Ruhe geben sollte. Ein Gemeinwesen, in welchem, weil in ihm keine Armuth zu sinoen, die männlichen