Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 341 (sequence 17)
- Language
- German
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Umschau. 341 hat die freisinnige französische Regierung imSenat und in derDeputiertenkammer bei allen Abstimmungen trotz dieser Quertreibereien stets die Oberhand behalten und ist selbst über die Verlegenheit, in welcher sie der plötzliche Rücktritt des Kriegsministers Galliffet versetzte, verhältnißmäßig schnell hinweggekommen. Dies dankt sie der bei allen Freunden der staatlichen Ordnung vorhandenen Ueberzengung, daß jeder Staat dem Untergang geweiht ist, in welchem solche Demagogen die Oberhand gewinnen, welche die heiligsten Menschenrechte antasten, die Gleichberechtigung aller pflichtgetreuen Staatsbürger. Selbst der mächtigste Staat kann tief erschüttert werden, wenn er seine Stützen nur in „Augure n" und „Prätorianern" erblickt; die einzige Zuverlässige Stütze aller Staaten ist das in echter Sittlichkeit wurzelnde Recht! A. L. Korrespondenzen. * Berlin, 25. Juni. Als Vertreter der gemeinsamen deutschen Parteien ist im Wahlkreise Liffa-Rawitsch-Gostyn-Fraustadt der jüdische Rechtsanwalt und Notar EduardWolfmit 334 deutschen gegen 191 polnische Stimmen in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt worden. Eduard Wolf entstammt einer alten tüchtigen Handwerkerfamilie; die Tischlerwerkstatt seines Vaters hatte einen ausgezeichneten Ruf. Nach» dem Eduard Wolf das Gymnasium in Liffa besucht hatte, studierte er in Breslau, wo er sich der Burschenschaft Germania anschloß. Nach Vollendung seiner Studien ließ er sich als Rechtsanwalt in seiner Vaterstadt nieder, wo er sich als Jurist und als Bürger allgemeines Vertrauen erwarb, so daß er bald in die Stadtverordnetenschast gewählt wurde, die ihn später zu ihrem Vorsteher erkor. In dieser Stellung sowohl wie auch als Vorsitzender des Repräsentanten-Kollegiums der jüdischen Gemeinde in Lissa hat er jederzeit eine wahrhaft liberale Gesinnung bekundet. Mit offenbarem Aerger nimmt die „Staatsbürger- Zeitung" davon Kenntniß, daß mit ihm der dritte Jude in's Abgeordnetenhaus einzieht. Sie schreibt, um sich offenbar selbst zu trösten: „Ein Hirsch und ein Wolf werden das Parlament noch immer nicht zur Menagerie