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Im deutschen Reich · 1900-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1900) · p. 330

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-06-01
Page
330 (sequence 6)
Language
German
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330 Im deutschen Reich. Partei verwischen sich angesichts der Aussicht, die jüdische Beute theilen zu können; dieselben radikalen Antisemiten, welche noch kurz vorher den mit den Konservativen liebäugelnden Abg. Liebermann v. Sonnenberg angegriffen und die „Los von Rom"-Bewegung zu fördern versucht hatten, ziehen ' wieder mit Liebermann und dem Katholikenblatt „Germania" an einem Strang. Noch vor kurzem schrieb ein antisemitisches Blatt bei einer Besprechung der „Mordhausigkeit in Europa": „Der Unterschied ist gewiß zu einem großen Theil durch den Volkscharakter bedingt; ebenso aber spielt dabei die mehr oder weniger hohe kulturelle Entwickelung der einzelnen Länder und selbstverständlich auch das Bekenntniß: „römisch-katholisch oder nicht" eine große Nolle." Jetzt druckt dasselbe Blatt „Betrachtungen über den Konitzer Mord" nach, in welchem die katholische „Germania" sich völlig im Sedlatzek'schen Stile des „allgemein geachteten christlichen Fleischers Hoffmann" annimmt, die tödtlich geängftigten Juden des Konitzer Kreises dafür verantwortlich macht, daß man sie mit Steinen und Aexten bedroht, in welchem ferner die vom Ministerium des Innern nach Könitz gesandten Kriminal-Kommiffare beschuldigt werden, durchBerfolgung salscherSpuren „dasJnstitut, dem sie angehören, gründlich in Mißkredit gebracht zu haben". Ganz in demselben Sinne hatte schon vorher Liebermann von Sonnenberg — rien n’est ß&cre pour un sapeur! — in den „Deutsch-Sozialen Blättern" nicht nur den Berliner Polizei-Kommiffaren zur Last gelegt, daß die Urheber der in Skurz, Tanten und Könitz begangenen Morde noch heute unentdeckt seien, sondern auch geheimnißooll aus ein „DreyfuS-Syndikat in Deutschland" hingedeutet uub damit sowohl die behördlichen Organe als auch die Juden beschimpft. Treffend brandmarkt die „Nation" das Treiben in Könitz mit den Worten: „Die systematische antisemitische Aufreizung hat es dahin gebracht, daß die Behörden in ihren Maßnahmen zur Aufdeckung des Verbrechens vom Pöbel behindert werden, daß der Pöbel die Behörden zu terrorisieren und Verhaftungen und Freilassungen je nach feinem Belieben zu erzwingen versucht. Militär mußte unter diesen Umständen nach Könitz berufe,: werden, und das Militär ist auch gegen die armen verleiteten und mißbrauchten Einwohner daselbst verwendet worden. Daß die Gewiffenlosigkeir und Brutalität der antisemitischen Führer bei gegebenem Anlaß unmittelbar zu anarchistischen Bewegungen führen muß, konnte nie zweifelhaft sein; es ist nur folgerichtig, daß diese Elemente, die die Masten verführen, auch bereit sind, Behörden, die unparteiisch nach der Wahrheit forschen, als durch Judengeld bestochen auszuschreien. Schon Graf Caprivi hat warnend auf solche Gefahren hingewiesen."

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