Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 302 (sequence 2)
- Language
- German
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302 Im deutschen Reich. Staaten der drückende Zustand früherer Tage zurückgeführt. Der Frankfurter Senat hatte den Pakt, welchen Fürst Dalberg geschloffen, angesochten, und er wurde, trotzdem der größte Theil der Summe bereits gezahlt war, für ungiltig erklärt. Preußens König hatte sich der „heiligen Allianz" angeschloffen und hielt es nun für eine seiner vornehmsten Herrscherpflichten und für die Aufgabe des Staates, die jüdischen Staatsangehörigen dem Christenthum zu gewinnen. Trotz der ausdrücklichen Bestimmung des Edikts, welches im Artikel 8 die Zulassung von Juden zu Lehr- und Schulämtern ausgesprochen und im Artikel 9 auch andere Staatsämter in Aussicht gestellt, wurde dennoch von den jüdischen Bewerbern der Uebertritt zum Christenthum zur Bedingung gemacht. Selbst einem jüdischen Militäranwärter ward der Bescheid, so lange er jüdischen Glaubens sei, könne er seine Ansprüche nicht geltend machen. (Reskript des Ministeriums des Innern vom 28. November 1826 bei Auerbach a. a. O. S. 248.) Wenige, die charakterfest genug auf Amt und Stellung Verzicht geleistet, haben sich der Bedingung nicht gefügt. Man suchte auch sonst den Höherstrebenden und Gebildeten das Judenthum zu verleiden, indem man jede Aenderung im Kultus von Regierungswegen verbot und selbst die Predigt als ketzerische Neuerung untersagte. — So wurde der Privattempel beim Bankier Beer — Vater des Meyer Beer — in Berlin, wo die sogenannten Aufgeklärten ihr Andachtsbedürfniß durch deutsche Gesänge und Predigt zu befriedigen suchten, durch königliche Verfügung vom 9. Dezember 1823 geschloffen. Das Judenthum sollte verkümmern, damit die Gebildeten aus dem Judenthum hinausgedrängt dem Schooß der Kirche zugeführt würden. Man machte aus solcher Absicht keinen Hehl. Denn um dieselbe Zeit wurde unter staatlicher Aegide „eine Gesellschaft zur Bekehrung der Juden" ins Leben gerufen und den Ueberläusern auf jede Weist der Weg gebahnt. Eine Fülle bedeutender geistiger Kräfte ging dem Judenthum verloren, da eine Reihe von hervorragenden Männern und Frauen dem Glaubenswechsel sich unterzog. Börne, Heine, Gans, der spätere Reichstagspräsident Simson, Friedrich Stahl früher Schlesinger der Verfechter der Theorie des „christlichen Staates" und Führ der Konservativen, — um nur einige zu nennen — gehören dies