Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1900-05-01 · Heft 5 (Mai 1900) · p. 290

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 5 (Mai 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-05-01
Page
290 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
address
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316663-2316669--06805-2326042
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

290 Im deutschen Reich. Pückler am S. d. Mts. vor dem Glogauer Kreisausschuß eine Schlußrede gehalten, in welcher er sich unterfing. Folgendes zu sagen: „Zunächst, meine Herren, bemerke ich, daß ich mich in meinem Leben stets so benommen habe, wie es sich ziemt für einen königlich preußischen Amtsvorsteher und für einen preußischen Edelmann, und i ch möchte doch denjenigen sehen, der es wagen sollte, mir irgend eine un e h r e n h a f t e H a n d l u n g vorzuwerfen; dem Manne würde ich in's Gesicht springen mit der Schärfe meines guten Schwertes und würde ihm beweisen, was es heißt, mich ungerecht zu beleidigen." Graf Pückler wies darauf hin, daß er allerdings mitunter bei Morgengrauen, wenn die anderen Leute noch in den Federn lagen, mit Trompetengeschmetter durch die Dörfer geritten sei. Dabei habe er einen ernsten sozialen Zweck im Auge gehabt, „die Bauern aufzurütteln aus ihrem kolossalen Stumpfsinn" und sie „durch Reiterfeste zu enthusiasmieren und zu begeistern". Nirgends seien so jammervolle politische Verhältnisse wie im Glogauer Kreise, wo die „Judenbande regiere", weil „ein großer Theil des Kreises diesem Gesindel nachlaufe". Hier müsse „mit eiserner Faust dazwischen geschlagen werden". „Von Ihnen erwarte ich heute, daß Sie sich als rechte Männer, als wahre Christen, als wackere Patrioten zeigen und ein freisprechendes Urtheil fällen werden; denn Sie sind ja Menschen, die menschlich fühlen und ein Gewissen in der Brust haben!" „S o l l t e n Sie jedoch dennoch zu einem verurtheilenden E rkenntniß gelangen, dann werden Sie es an sich selbst erfahren, was es heißt, unschuldige Leute zu verurtheilen." Der Kreisausschuß, dem außer dem Vorsitzenden Herrn Landrath Singelmann noch Freiherr v. Schlichting, die Herren v. Jordan-Aich, Maager-Denkwitz, der Oberbürgermeister von Glogau und einige Bauern der Umgegend angehörten, hat sich vor diesen Drohungen nicht gefürchtet und dem Antrag des Regierungs- Assessors Fleischer entsprechend auf Dienstentlassung erkannt. Die „Staatsbürger-Ztg." schreibt, sie könne ihr Befremden darüber nicht unterdrücken, daß ein solches Verfahren gegen einen Mann möglich sei, der sich zur Lebensaufgabe gemacht .habe, für die Freiheit und Unabhängigkeit des deutschen Volks einzutreten. Graf Pückler hat nämlich erst vor mehreren Tagen in einer Leipziger Versammlung wörtlich gesagt: „Wenn ich die Macht hatte, dann würde ich bei dem nächsten Ausstand ein paar Bataillone Soldaten anrücken und die Kerle zusammen schießen lassen. (S. u. Korrespondenzen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.