Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1900)
- Article
- Konitz
- Date
- 1900-05-01
- Page
- 276 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Im deutschen Reich. Aufläufen und Ruhestörungen haben sich auch in einigen Fällen Schulkinder betheiligt. Die Regierung hat daher den Lehrern aufgegeben, den Kindern die Betheiligung an solchen Ruhestörungen strengstens zu untersagen und bei Zuwiderhandlungen angemeffene Strafe eintreten zu lassen. — Der „Lib. Korr." ist von hier geschrieben worden: „Wenn auch in letzter Zeit die Erregung in der Bevölkerung wesentlich nachgelassen hat und Störungen der Ruhe nicht mehr vorgekommen sind, so hat doch die agitatorische Thätigkeit der'Antisemiteü noch nicht aufgehört. Sie fahren insbesondere fort, durch Denunziationen, deren Grundlosigkeit sich alsbald herausstellt, jüdischeBürger zu beunruhigen und Polizeilichen Vernehmungen auözusetzen. In vielen Fällen können sich die Behörden, bei welchen die Denunziationen angebracht werden, weiteren Ermittelungen nicht entziehen. Aber wir sollten doch meinen, man müßte endlich Mittel undWege finden, um derartigen Denunziationen, wenn sich durch die Vernehmungen und Ermittelungen die vollständige Haltlosigkeit derselben und die Absicht der Denunzianten herausstellt, dadurch entgegentreten, daß man diese zur Rechenschaft zieht und dadurch ihren Appetit auf Fortsetzung dieses Geschäfts etwas vermindert. Sehr bedauerlich ist es, daß eine systematische antisemitische Agitation auch durch Männer betrieben wird, die den Anspruch auf höhere Bildung erheben und von denen man ihrem Berufe nach solche Dinge nicht erwarten sollte. Es ist jetzt noch nicht die Zeit gekommen, um das Treiben einiger dieser Herren auch in der Oeffentlichkrit durch genaue Anführung von Thatsachen zu kennzeichnen. Sie tragen einen großen Theil der Verantwortlichkeit für die Erregung, die sich der Massen bemächtigt hat. Man wird aber gut thun, alle diese Tatsachen genau festzustellen, damit später, wenn einmal eine Darstellung dieser traurigen Episode in unserer Kulturgeschichte veröffentlicht wird, diese Thatsachen die nöthige Beleuchtung finden." H Kattowitz, 3. Mai. Kürzlich meldeten mehrere Blatter von einer beispiellosen Rohheit, die einem galizischen Händler aus der Eisenbahn zwischen Oswienzim und Kattowitz durch mehrere junge Burschen widerfahren ist. Der großpolnische „Dzienaik Staski“ knüpft daran die bezeichnende Bemerkung: „Man darf den Juden nicht leiden, aber gleich prügeln darf man ihn auch nicht." Die „Kattowitzer Zeitung" verweist ironisch auf diese großartige Duldsamkeit und bemerkt dazu: „Dieses Zeichen großpolnifcher Duldsamkeit ist wirklich rührend.". Koblenz, 1. Mai. Ein dieser Tage verstorbener katholischer Bürger von Kyllburg, namens Eifel, hat einen auf 50 000 Mark