Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1900)
- Article
- Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
- Date
- 1900-05-01
- Page
- 247 (sequence 11)
- Language
- German
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Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland. 247 des Judenwesens betraut hatte. Als dieser dem Kriminalrath Brand den Auftrag weiter gab, um einen entsprechenden Entwurf auszuarbeiten, fragte er ihn, ob er nicht ein Mittel wüßte, „die Juden zwar unblutig, jedoch auf einmal todt zu schlagen", worauf Brand erwiderte: „Er mache sich erbötig, einen Plan zu entwerfen, zwar nicht die Juden, aber das Judenthum todt zu schlagen." (Auerbach a. a. O. S. 415.) In einem späteren Entwürfe lehnte Wilhelm v. Humboldt die Bestimmungen über Bildung der Gemeinden mit der Begründung ab, „daß dies das nähere ■ Zusammenwohnen der Juden befördere, da man doch sonst vielmehr ihre Zerstreuung und Vermischung mit der übrigen Nation beabsichtige", und äußerte ferner, „daß man das Band zwischen den einzelnen jüdischen Kirchen und Gemeinden recht locker machen und Schismen befördern müsse". (Auerbach S. 246.) Wir haben uns nicht darüber zu täuschen, solche Anschauungen werden auch heute noch von einflußreichen Kreisen und hervorragenden Männern getheilt. — Als Hinderniß der vollständigen Assimilation betrachtet man noch immer die Religion und hat darum von Staatswegen mit Absicht alles unterlassen, was das Judenthum fördern könnte. Die verhängnißvolle Theorie des „christlichen Staates", die Verquickung der staatlichen Aufgaben mit den Bestrebungen der Kirche haben zu jener Verwaltungspraxis geführt, welche mit kurzen Unterbrechungen bis in unsere Tage bei Besetzung von Staatsämtern, bei Ernennung der Lehrer und Richter auf da- Bekenntniß des Christenthums Gewicht legt. Doch kehren wir zum Edikt vom Jahre 1812 zurück. — Die Noth der Zeiten hatte seine Veröffentlichung veranlaßt, dennoch war die äußere Stellung der Juden wesentlich anders geworden. Aus „Kammerknechten" oder „Unterthanen" wurden sie „Preußische Staatsbürger, welche auch Militärdienste leisten sollten. Dem Aufrufe „An mein Volk" waren Hunderte von jüdischen Jünglingen, der erlangten Rechte sich würdig zu zeigen, begeistert gefolgt, manche hatten im blutigen Strauße das Leben gelassen, manche waren mit dem eisernen Kreuze geschmückt heimgekehrt. Durch Sammlungm für Kriegszwecke und Pflege der 33er* mundeten hatten allenthalben die Juden ihren regen patriotische» Eifer in den Freiheitskriegen bekundet.