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Im deutschen Reich · 1900-05-01 · Heft 5 (Mai 1900) · p. 245

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 5 (Mai 1900)
Article
Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
Date
1900-05-01
Page
245 (sequence 9)
Language
German
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Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland. 245 bürg, Isaak Berr aus Nancy und Jesaja Bing erstanden. Am 23. August 1789 erklärte die Nationalversammlung die religiöse Gewissensfreiheit als eine der unantastbaren Menschenrechte, und kurz vor ihrer Auflösung, am 27. September 1791 hatte sie den Beschluß gefaßt, „alle Juden als Vollbürger zum Bürgereide zuznlassen". (S. Graetz, Geschichte der Juden XI S. 206, 221.) Die Stürme der Revolution brausten dahin. Der gewaltige Corse hatte ihr Erbe angetreten. So weit Napoleon's Einfluß reichte, in den Staaten des neugebildeten Rheinlandes, in Baden, Westfalen, selbst in Mecklenburg wurden die Juden frei, und in Frankfurt a. M. hatte Fürst Dalberg gegen eine Entschädigung von 400 OOö Gulden die aus dem 17. Jahrhundert stammende „Judenstättigkeit" aufgehoben. Nur in Preußen hielt man zäh an den alten Traditionen. Wohl hatte Friedrich Wilhelm II. bald nach seinem Regierungsantritt ein Gesuch David Friedländer's und der Aeltesten der Berliner Gemeinde, „die voll Ehrfurcht und kindlichem Vertrauen dem Throne nahten", huldvoll entgegen genommen, hatte auch eine Kommission „zur Reform des Judenwesens" ernannt, doch abgesehen von einigen Erleichterungen, welche Friedländer's Bemühungen zu danken waren, blieb es im großen und ganzen beim alten. Das tiefe Sehnen der Aufgeklärten nach Freiheit blieb ungestillt. Erst die furchtbare Katastrophe von Jena und Auerstädt führte den Umschwung herbei. Die Zeit der tiefsten Drmüthigung ward für Preußm die Zeit der Erhebung, der höchsten sittlichen Krastentfaltung. Eine durchgreifende Reform wurde angebahnt, alle Kräfte sollten in den Dienst des Staates sich stellen. Die Leibeigenschaft wurde aufgehoben, Bürger und Bauer wurde frei, auch mit der bürgerlichen Befreiung der Juden sollte Ernst gemacht werden. Auf Wunsch des Königs Friedrich Wilhelm III. sollte ein Entwurf ausgearbeitet werden, um die Verhältnisse der Juden zu regeln, und Hardenberg, der im Jahre 1810 zur Leitung der Staatsgeschäste berufen worden, ward mit der Ausführung betraut. Hardenberg trat für die volle uneingeschränkte Emanzipation ein und erachtete als „die einzig wirksamen Mittel, sie (die Juden) zu

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