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Im deutschen Reich · 1900-04-01 · Heft 4 (April 1900) · p. 223

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 4 (April 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-04-01
Page
223 (sequence 2)
Language
German
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OerernsnachrichLen. 223 welcher der erste Vorkämpfer der Emanzipation sein großes Werk begann, das er herrlich mit dem „Nathan" fortsetzte, ein Befreiungswerk, dessen Vollendung einer noch fernen Zukunft Vorbehalten scheint. Der Redner verwies darauf, daß Lessing's Freund, Moses Mendelssohn, bei diesem Kampf wenig hervortrat, aber den Erfolg doch durch seine Persönlichkeit und seine Beziehungen zu dem Kriegsrath Dohm erheblich förderte. Der Vortragende schilderte dann in lichtvoller Weise, wie die Erklärung der Menschenrechte in Frankreich und die Zeit der sittlichen Kraftentfaltung, welche in Preußen auf die furchtbare Katastrophe von Jena und Auerstädt folgte, zu einer Reform führten, deren Gipfelpunkt das Kgl. Edikt vom 11. März 1812 darstellte, welches die bisherigen Schutzjuden zu „Einländern und preußischen Staatsbürgern" erhob. Die damalige Errungenschaft ging in den Reaktionsjahren nach dem Wiener Kongreß theilweise wieder verloren. Die Juli-Revolution im Jahre 1830 frischte aber den Muth der Kämpfer für die Emanzipation der Juden wieder auf. Der Vortragende gedachte mit Wärme der Verdienste, welche sich Leopold Zuntz und Gabriel Rießer bei diesen Kämpfen erwarben. Er führte ferner aus, wie auf dem Vereinigten Landtage das Gesetz vom 23. Juli 1847 zu Stande kam, welches heute noch in Kraft ist, wie dann die preußische Verfassung vom 31. Januar 1850 die Gleichstellung der Juden verbürgte, eine Gleichstellung, die erst unter den Ministern Leonhard und Falk thatsächlich in die Erscheinung trat, aber selbst, nachdem das Reichsgesetz vom 3. Juli 1869 diese Gleichstellung in zweifellosester Weise festgestellt hatte, immer wieder von den Gegnern der Juden gefährdet wurde. Als einen fühlbaren Mangel bei allen Errungenschaften der Neuzeit bezeichnte der Vortragende die Thatsache, daß bei der wirthschaftlichen, bürgerlichen und politischen Gleichstellung der Juden für das Judenthum als Religion so gut wie nichts erkämpft worden war, daß das sogenannte Lasker-Gesetz vom 28. Juli 1876 den Austritt aus der jüdischen Gemeinde zu sehr erleichterte, und daß der Staat keine Behörde anerkannte, die als Vertretung der jüdischen Religionsgemeinschaft gilt. Die Emanzipation zu einer Wahrheit zu machen, ihre Vollendung und Ergänzung zu erkämpfen, bezeichnet der Vortragende als eine dringende Pflicht aller deutschen Israeliten. Der Central-Verein bilde eine Vereinigung von Tausenden derselben, welche seit Jahren, dieser Pflicht eingedenk, den Kampf um's Recht als ihre Losung betrachten. In diesem Zeichen müssen die deutschen Juden siegen oder sterben» — Minutenlanger Beifall folgte diesen begeisterten und begeisternden Ausführungen; dann veranlaßte der Vorsitzende

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