Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- München
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 219 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 219 Zeugen vor Gericht. Derselbe sagte aus, daß er nie in Polna gewesen sei, den Rabbiner von Polna gar nicht kenne, nie etwas an ihn geschickt habe. Er habe sich auf die Preßnachrichten und die Interpellation im österreichischen Reichsrath hin an das österreichische Justizministerium gewendet, wo ihm der Sektionschef erklärte, daß nach dem Berichte der Staatsanwaltschaft diese weder von einer solchen Sendung noch von ihrer Beschlagnahme etwas wiffe. Das Gericht verwarf darauf die Berufung Werrgg's. Aber auch die Berufung des Klägers wurde verworfen, weil trotz der Schwere der Beleidigung und der erheblichen Vorstrafen des Angeklagten die Strafe als ausreichend erachtet wurde, mit Rücksicht darauf, daß Wengg die Vorwürfe nicht erfunden, sondern nur in Oesterreich thatsächlich behauptete Dinge weiterverbreitet habe, für die freilich nicht der geringste Beweis vorlag. In seinem Blatt feiert Wengg es noch als eine Art von Sieg, daß er nicht mehr als 14 Tage Gefangniß erhielt. — Er hat hier den „Wahlverein der bayr. Reformpartei" aufgelöst und dafür eine freie „christlich-soziale Vereinigung" gegründet, welche Fühlung mit nahestehenden Parteien nehmen soll. In den Vorstand brachte er zwei bei dem Centrum gut angeschriebene Gesinnungsgenosien, und nun hofft Wengg, in München nach Wiener Muster eine in den katholischen Waffen wurzelnde antisemitische Bewegung zu entfeffeln, den Klerus seinen Zielen dienstbar zu machen und sich selbst nach dem Vorbild Lrreger's zum Abgott des „Volks" zu erheben. Die Führer des bayrischen Centrums betrachten eine solche Entwickelung der Dinge nicht mit günstigen Blicken; ob sis Thatkraft genug besitzen werden, dieselbe zu verhindern, scheint zweifelhaft. I* München, 12. April. Vor dem Schöffengericht kam die Beleidigungsklage des Vorsitzenden des Zweigvereins München der „Alliance isra&ite“, Dr. Merzbacher, gegen die Redakteure Wengg und S ch o y vom „D. Dolksbl." bezw. „Bayr. Vaterland" zur Verhandlung. Das „Dolksblatt" hatte nämlich im letzten Herbst behauptet, die Münchener Juden hatten für Dreyfus Geld gesammelt und an den Großrabbiner von Paris abgeschickt. Dabei hatte das Blatt höhnisch gefragt: „Wird die „Alliance isra&ite“ den Muth haben, die Thatsache abzuleugnen"? Nun, sie hatte den Muth, denn Dr. Merzbacher sandte eine preßgesetzliche Berichtigung, die Wengg abdruckte, wobei er jedoch seine Behauptung aufrecht erhielt. In Folge deutlicher Anzapfungen im „Bayrischen Vaterland" nahm die Polizei Erhebungen wegen der angeblichen unerlaubten Sammlungen vor. Die „Münch. Neuesten Nachr." brachten dann die Mitteilung,