Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- Berlin
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 212 (sequence 5)
- Language
- German
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212 3m deutschen Reich. Der antisemitische Stadtverordnete Rechtsanwalt Ulrich hatte in einer öffentlichen Versammlung einen Fall „aus der Praxis" erzählt, welcher die Geschäftspraxis des Hauses Wertheim beleuchten sollte und war deshalb wegen Beleidigung verklagt und zu 30 Mark verurtheilt worden. Die Strafe wurde nur deshalb so niedrig festgesetzt, weil das Gericht annahm, daß Ulrich die Geschichte selbst geglaubt haben möge. Irgend einen Wahrheitsbeweis vermochte er nicht anzutreten. Wie „Die Welt am Montag" mittheilt, drückte ihm der Vorstand der Anwaltskammer in einem Schreiben seine „M i ß b i l l i g u n g" aus. In diesem Schreiben wird ihm zum Vorwurf gemacht, daß er „den beleidigenden Satz als Fall aus der Praxis in öffentlicher Versammlung aufgestellt und ihm damit das Gepräge unbedingter Zuverlässigkeit gegeben habe, obwohl ihm die genügende thatsächliche Unterlage gefehlt habe, weil ihm der Fall nicht aus der Praxis bekannt geworden sei. Indem er mit der Gewahr seiner Berufsstellung umkleidet habe, was doch nur unverbürgt war, habe er der gebotenen Rücksicht auf die Pflichten des Berufes und dem Jnteresie der Anwaltschaft nicht voll Rechnung getragen". Zur Aufnahme folgender Berichtigung veranlaßte Herr Abrahamson in Charlottenburg die „Staatsbürger- Zeitung" durch den Hinweis auf den § 11 des Preßgesetzes: „Die gesammten, meine Person betreffenden Anführungen dieses Artikels („Zu den bevorstehenden Stichwahlen in Charlottenburg") sind von Anfang bis zu Ende unwahr. ES ist insbesondere unwahr, daß ich jemals den Versuch einer Hinterziehung der Hundesteuer gemacht und die Zahl meiner steuerpflichtigen Hunde unrichtig angegeben habe. Es ist auch unwahr, daß ich dieserhalb jemals mit einem Gemeindebeamten oder Gemeindeboten in einen Konflikt gerathen bin und dabei vor dem Schiedsmann eine die Ehre des Beamten oder Boten herabsetzende Bemerkung gemacht habe. Eine solche oder ähnliche Aeußerung hat ebenso, wie die Steuerhinterziehung niemals stattgesunden; vielmehr ist der ganze Vorgang vollständig aus der Luft gegriffen." — Dazu bemerkt die Redaktion des AntisemitenblatteS wehmüthig: „Die Mittheilung war uns von durchaus zuverlässiger Seite geworden und wir werden natürlich festzustellen suche., ob hier vielleicht ein Jrrthum vorliegt, oder wie die Sache zusammenhängt." BreSlau, 4. April. Im jüdischen Rede- und Diskutierklub „G r a e tz" hielt kürzlich Rabbiner D r. Klüger einen Vortrag über daS Thema: „Die Kindererziehung bei den-