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Im deutschen Reich · 1900-04-01 · Heft 4 (April 1900) · p. 209

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 4 (April 1900)
Article
Berlin
Date
1900-04-01
Page
209 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 209 Zeit erlag in Hannover noch ein hochgeschätztes Vereinsmitglied, der Direktor der Braunschweig-Hannoverschen Hypothekenbank, Justizrath Julius Benfey, im Alter von 63 Jahren den Folgen der Influenza. Derselbe wirkte 32 Jahre als Vorsteher der Synagogen- Gemeinde Hannover und war als Schatzmeister der dortigen Lehrerbildungsanstalt, Mitbegründer der Unterstützungskasse für jüdische Beamte der Provinz Hannover und als Ausschußmitglied des „Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes" in hervorragender Weise für jüdische Angelegenheiten bemüht. Der Geheime Kirchenrath Professor Bernhardt Stade in Gießen richtete an das „Berl. Tageblatt" folgendes Schreiben: „Daß ich den Versuchen unwissender Menschen entgegengetreten bin, die jüdische Religion für abergläubische Praktiken verantwortlich zu machen, die man einzelnen Juden nachsagt, ohne die Nachrede je beweisen zu können, hat mir außer anderen duftigen Aufmerksamkeiten das folgende anmuthige Bekenntniß einer schönen Seele in Gestalt einer anonymen Po st karte verschafft. Bitte, wollen Sie es durch Abdruck niedriger hängen, damit man sieht, weß Geistes Kind diese edlen Ritter von der traurigen Gestalt sind, deren Verstand, wie eS scheint, zu der Ueberlegung nicht ausreicht, daß man mit demselben Rechte der christlichen Kirche und Lehre zur Last legen könnte, was von der Verwendung von Kinderblut bei der „schwarzen Messe" erzählt wird. Daß ich mich an daS Blatt wende, zu dem ich bisher keinerlei Beziehungen gehabt habe, veranlaßt der Eingang der Karte." Die mit dem Poststempel Hannover versehene Postkarte lautet: „DaS „Berliner Tageblatt" veröffentlicht Ihren Brief bezüglich Ritualmordes. Sie scheinen ja ein recht sauberer Kunde zu sein. Erklären Sie doch 'mal, warum sich diese Morde jedesmal vor Ostern wiederholen. Aber das wollen Sie gar nicht. Die Jndcnheit zahlt derartige ihr erwiesene Dienste gut. Was haben Sie verdient bei daS Geschäftche? Eine Gemeinschaft zlvischen Pfaffen und Rabbiner — pfui —. Auf derartige Pflanzen können Christen und Deutsche stolz sein." Das „Berl. Tageblatt" bemerkt dazu: „Die Sprache dieser Auslassung richtet sich und ihren Urheber von selbst." Die Moskauer Blätter „Rüstig Listok" und „Schisni Jskustwo" hatten über einen angeblichen Ritualmordversuch berichtet, der in der Wohnung des jüdischen Barbiers Blondes in Wilna an der 18 jährigen Dienstmagd Dincentia Grudsinsky verübt worden sein sollte. Die Redaktion der „Jüdischen Presse" zog Erkundigungen in Wilna ein, nach welchen die Geschichte den Eindruck eines Juden-

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