Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 195 (sequence 4)
- Language
- German
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Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit. 195 beschuldigung" erschien als ein so wirksames Mittel, die Volksmasien aufzureizen, daß der Raffenantisemitismus in beständiger Versuchung war, wieder damit Mißbrauch zu treiben. Eine günstige Gelegenheit bot der Ende März 1899 an Agnes Hruza bei Polna verübte Mord (s. S. 163 ff.). Nicht darauf kam es den unchristlichen Leuten, die fich Christen nennen, an, daß der Mörder ausfindig gemacht oder der auf Hilsner ruhende Verdacht ernstlich geprüft werde; sondern der nominell die Sache der Mutter der Ermordeten führende Dr. Baxa sollte Mtualmord behaupten und erweisen. Erwiesen hat er aber nur seine schmachvolle Unwiffenheit. Nach einem mir vor wenigen Tagen zugegangenen Auszuge aus dem stenographischen Berichte hat er nämlich außer anderem Falschen folgendes gesagt: „Und ich frage, ob Dr. Aurednicek (der Vertheidiger Hilsner's) den Ausspruch des Rabbiners Vital kennt, daß die Ankunft des Messias durch dar Blut der geopferten nichtjüdischen Jungfrauen beschleunigt werden wird, und ob er weiß, daß im ersten Buche Sohar steht, daß im vierten, besten Palaste diejenigen sein werden, welche AkumS, d. h. Christen, getödtet haben, — ob er den Ausspruch des Rabbiners Eliken (lies: Elieser) kennt, daß die übrigen Völker Vieh find.'*) Die besonders in Oesterreich und Süddeutschland durch diesen Prozeß entstandene Beunruhigung hat mich genöthigt, die Neubearbeitung meiner seit geraumer Zeit ausverkauften „Einleitung in den Talmud* zu verschieben und der Blutlüge von neuem in'S Gesicht zu leuchten. Für alle diejenigen, welche nicht aus Raffenhaß fest entschlossen find, die Blutbeschuldigung gegen die Juden trotz aller Widerlegung aufrecht zu erhalten, wird mein Buch in seiner jetzt vorliegenden Gestalt überzeugend sein. ES ist zu einem großen Theil ein neues Buch. Das Meiste in den Kap. 18—20 ist neu geschrieben worden: es war wichtig zu zeigen, daß die Geschichte keine Beweise für „jüdische Ritualmorde" liefert und daß die bedeutendsten Päpste und weltlichen Herrscher der Blut- *) Baxa hat diesen Unsinn aus Rohling's Polemik und Menschenopfer, Paderborn 1883, 58. 72. 75, vgl. in meinem Buche S. 111. 114 f. i! lieber die Bezeichnung der Nichtjuden als Vieh s. I. Kopp, Zur Judenfrage 107-118: Bloch. Akten I. 253.-263 H Daß der Ausdruck Akum lediglich eine Erfindung der Censur ist, ist in meiner »Einleitung in den Talmud". 2. Aufl., L. 1894 34 gezeigt.