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Im deutschen Reich · 1900-03-01 · Heft 3 (März 1900) · p. 165

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 3 (März 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-03-01
Page
165 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Vereinsnachrichten. 165 mit begnügen, es nur als eine Verpflichtung der österreichischen Juden anzuerkennen, ihren Glaubens- und Stammesgenoffen in Galizien Hilfe zu leisten, daß ferner die Meisten eine Erörterung dieser Judenfrage in Deutschland deshalb nicht gern sehen, weil alles bisher nach Galizien gefloffene Geld nicht genügte, die Zustande wesentlich zu brffern, sondern sich wie ein Tropfen auf heißem Stein verflüchtigte. Aber gerade die Größe des Elends sollte zu einer intensiven Hilfsaktion von Volk zu Volk Anlaß geben, denn nur auf diese Weise sei ein Werk wahrer Menschenliebe zu Wege zu bringen. Zunächst muffe freilich eine Erörterung der Gründe des beispiellosen Pauperismus der jüdischen Bevölkerung Galiziens, welche 11 Prozent der Gesammtbevölkerung ausmache, stattfinden; denn ohne Kenntniß der thatsächlichen Verhältniffe und genaue Erwägung aller Mittel zur Abhilfe würden selbst die besten Absichten nicht zum Ziele führen. Von einer ähnlichen Erwägung ausgehend, habe die „Jewish Colonization Association" ihn beauftragt, eine Studienreise nach Galizien zu unternehmen, damit er Land und Leute kennen lerne und, wenn durch Einrichtung von Ackerbauschulen Gutes gestiftet werden könne, dazu ein geeignetes Terrain zu erwerben suchen solle. In höchst intereffanter Weise berichtete nun der Vortragende über seine auf dieser Reise gemachten Wahrnehmungen. Danach ist das Elend in Galizien sowohl auf die Verschlechterung der allgemeinen Erwerbsverhältniffe eines industriearmen, fast lediglich auf Bodenkultur angewiesenen Landes, theilweise auch auf das mangelhafte Erziehungswesen zurückzufühen, welches nicht geeignet war, die jüdische Bevölkerung auf eine höhere Kulturstufe zu bringen, sie bedürfnißvoller, aber auch erwerbsfähiger zu machen, dann aber auch darauf, daß die Verwaltung fast systematisch diejenigen Bestrebungen unterstützte, durch welche viele jüdische Existenzen vernichtet wurden. Besonders gilt dies von der staatlichen Förderung der maffenhaft gegründeten Konsumvereine, durch welche der jüdische Kleinhandel überflüssig wurde, ferner von der Propination, welche das Branntweingeschäft zu einer Einnahmequelle für die „Schlachta" (den polnischen Adel) machte, die jüdischen Schankbesitzer aber zu Schankpächtern degradierte, welche bei theurer Pacht nur ganz kleinen Gewinn, aber um so größeren Haß der Konsumenten einheimsen und für alle Opfer der Trunksucht verantwortlich gemacht werden. Das unermeßlichste Elend jedoch wurde in Boryslaw durch die Wiener Länderbank herbeigeführt, welche durch ein neues Berggesetz die Möglichkeit erhielt. Tausende von jüdischen Bergarbeitern, welche in den Erdwachsgruben lohnende Beschäftigung hatten, brodlos zu machen. Die betreffenden Darlegungen des Redners lieferten ein deutliche-

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