Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- Schweinfurt
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 157 (sequence 2)
- Language
- German
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Rorrespondenzen. 157 die Grundlage für die Lehre des Judenthums, wie sie bei uns das Wort Gottes des alten Bundes heißt. Das ist ihre schriftliche Lehre. Daneben hat das Judenthum noch eine Religionsquelle, den Talmud, der die mündliche Lehre genannt wird. Da es sich in der Fleischbesudelnngs - Beschuldigung um die Sittenlehre des Talmuds handelt, so will ich euch nur kurz sagen, daß die ganzeSittenlehre desTalmuds nur auf dem Alten Testament beruht. Das Gebot der Nächstenliebe, der allgemeinsten, aus alleMenschen, Juden und Nicht juden, sich erstreckenden N ä ch st e n l i e b e, ist a u ch jedem Israeliten Gesetz, wie sie das Grundgesetz des Christenthums ist. Die Sittenlehre des Judenthums erkennt keinen Ausspruch und keine Anschauung an, die dem Nichtjuden gegenüber etwas erlaubt, was dem Juden gegenüber verboten ist. Was sie lehrt in ihren Schulen, von ihren Kanzeln, ist nirgends — mit dem Maßstab der christlichen Sitten lehre gemessen — unsittlich! Das Gebot der Nächstenliebe und Wahrheitsliebe zwingt uns, die gegen das Fudenthum als solches in Franken erhobene Beschuldigung als eine d u r ch nichts zu begründende Behauptung zuriickzuweiscn Haben wir vielleicht im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes ein Recht, so das 8. Gebot zu halten, wie es in den letzten Wochen den Juden gegenüber geschehen ist? Steht nicht im Neuen Testament der große Heidenapostel Paulus ganz auf dem Boden seines herrlichen Lobgesangs über die Liebe gerade seinen früheren Glaubensgenosien gegenüber? Srcht denn das 11. Kapitel nicht mehr in seinem Brief an die Römer? So trete denn ab vom Unrecht, wer diese Beschuldigung geglaubt und weiter getragen — aus Nächstenliebe, um der Wahrheit willen. Die Wahrheit könnt ihr erfahren aus einem vortrefflichen Buche des Berliner Professors Dr. Strack, eines der besten christlichen Talmudkenner der Jetztzeit. Er hat eine Einleitunginden Talmud geschrieben, die in Leipzig bei I. C. Hinrichs 1624 erschienen ist und 2,50 M. kostet. Da habt ihr — die Besscrgebildeten, die mit ihrem Urtheil den anderen dienen sollen — eine objektive und wissenschaftliche Belehrung über das Ganze des Talmuds. Ich will für die, welche solche Bücher nicht lesen, im nächsten Monat eine kleine Schrift über die ganze Angelegenheit veröffentlichen; dann könnt ihr letzteren noch mehr beurtheilen, wie unrecht die angegebene Beschuldigung ist.