Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- Nürnberg
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 156 (sequence 3)
- Language
- German
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156 Im deutschen Reich. Gnostiker einfach die Juden einzusetzen. Ich faste deshalb meine Ausführungen dahin zusammen: Im Namen der Wahrheit und der Geschichtswissenschaft protestiere ich gegen eine derartige GeschichLSverdrehung, Fälschung und GeschichtSlüge, wie solche in dem Artikel des Angeklagten zum Ausdruck gebracht worden ist." A Schweinfurt, 3. März. Mehreren bayerischen Blättern lag ein Flugblatt folgenden Inhalts bei: Ein Wort zum Frieden! Nur mit tiefer Wehmuth beobachtet der Volksfreund, wie seit Wochen in Folge Bestrafung eines israelitischen Metzgers in Hatzfurt wegen Unreinlichkeit in seinem Geschäfte versucht wird, diesen Fall unter dem Hinweis auf Lehren des Talmuds begreiflich zu machen, mit anderen Worten: zu behaupten, in den religiös - sittlichen Bestimmungen des Judenthums, wie im Talmud, sei befohlen, das-Fleisch und die Fett-Theile, welche Judenmetzger an Christen verkaufen, vorher zu besudeln. Urtheilslos sagt einer das dem andern; von Ort zu Ort dringt diese Verdächtigung und Beschuldigung, und alle trauen nun allen jüdischen Metzgern zu, datz sie das Fleisch und die Fett-Theile, welche sie an Christen verkaufen, weil die Juden es nicht essen dürfen, mit Urin besudeln. Und die israelitischen Metzger verlieren ihre Kundschaft, die Juden inSgesammt werden, wo sie sich in Wirthschaften zeigen, nach der „Geschichte in Hatzfurt" befragt in einer Weise, die ihnen zeigt, die Fleischbesudelungs - Beschuldigung wird geglaubt im Volke. Die dümmsten Dinge werden dann über die Juden kolportiert zum Beweis, datz verständige Ueberlegung brutalem Fanatismus Platz gemacht hat. Wir brauchen uns wahrlich nichts auf unsere vielgerühmte Volksbildung einzubilden: wo derartige Thorheiten noch Boden finden, arbeitet die Volksbildung mit traurigem Erfolg. So wenig man ein Recht hat, von einem christlichen Bäcker, der wegen Unsauberkeit in seinem Geschäfte einen Strafbefehl vom Amtsanwalt erhielt, zu behaupten, er habe bei seiner Autzerachtlassung der Sauberkeit in seiner Backstube nur nach den Bestimmungen der christlichen Religion gehandelt, so wenig ist das den Juden gegenüber erlaubt. Ihr lieben Leute, habt acht darauf, was ich euch sage: Im ganzen Talmud steht gerade das Gegentheil von dem, waSzur Zeit in eurer Mitte behauptet wird. Glaubt eS nicht, datz die Juden eine so gemeine Sittenlehre haben, wie man verleumderisch sagt. Die heilige Schrift AltenTestamentsist auch