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Im deutschen Reich · 1900-03-01 · Heft 3 (März 1900) · p. 129

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 3 (März 1900)
Article
Geschäftsbericht
Date
1900-03-01
Page
129 (sequence 17)
Language
German
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Geschäftsbericht. 129 der Beförderung ausgeschlossen werden, daß sie aber, sobald sie sich taufen lassen, im Amte weiter gelangen, geradezu eine Prämie auf die Charakterlosigkeit gesetzt, so halten die Rasse-Antisemiten mit Konsequenz daran fest, daß der Jude, der sich taufen läßt, dadurch nicht plötzlich ein Anderer wird. Sie werden nicht müde über die Namensänderungen zu spotten und zu schelten. Sie zetern unermüdlich darüber, wenn aus Cohn ein Karsten, aus Jüdell ein Jdell, aus Schmul ein Steinhardt, aus Dr. Levi ein Dr. von Halle wird. Wir sind der Meinung, daß durch die Taufe der betreffende Jude keinerlei Aenderung erfährt, denn daß er charakterlos ist, wird durch die Taufe nur zu Tage gefördert; gewesen ist er es sicher schon vorher. Und in gewissem Sinne können wir ganz zufrieden sein, wenn der charakterlose Theil unserer Glaubensgenossen, der unter uns sich natürlich ebenso, sindet, wie unter den Angehörigen jeder andern Glaubensgemeinschaft, lieber von uns geht. Eine der vornehmsten Aufgaben unseres Vereins aber ist es, die Charakterschwachen unter uns zu kräftigen, unsere Glaubensgenossen mit dem Gedanken zu erfüllen, daß es schimpflich ist, um äußerer Vortheile willen seinen Glauben zu wechseln; daß es schmählich ist, den ungerechten Angriffen dadurch einen Schein von Berechtigung zu geben, daß man zu seinen Verfolgern übergeht; unfern Glaubensgenossen die Ueberzeugung zu verschaffen, daß sie keine Veranlassung haben sich zu demüthigen, daß sie vielmehr im Andenken an die ungerechten Verfolgungen, denen ihre Väter muthigen Kampf und tapferes Festhalten an ihrem Rechte entgegengesetzt haben, den Kopf erhellen und Selbstbewußtsein zeigen sollen; daß wir sie zusammenfassen zu einer einigen Vertheidigung und sie fest zu halten suchen in ihrer Anhänglichkeit an das deutsche Vaterland, nicht weniger aber in ihrer Treue gegen den Glauben ihrer Väter! Das ist das Ziel unseres Strebens, welches wir stets bethätigt haben und welches in immer höherem Maße von Erfolg begleitet sein wird, je mehr sich alle unsere deutschen Glaubensbrüder unter unserer Fahne sammeln werden, je mehr unser Verein das sein wird, wa» sein Name sagt, ein wirklicher „Central»Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben»!" 10

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