Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- Großherzog Carl August von Weimar und jüdische Waisen
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 70 (sequence 2)
- Language
- German
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tl) ^ni 7>eulsche'n Reich. gab. Dem denkenden Leser werden Vergleiche mit der Gegenwart sich unwillkürlich aufdrängen. In dem am 16. September 1824 gefertigten Verzeichnisse der hilfsbedürftigen Waisen der Stadt Blankenhain in Thüringen befand sich unter den empfohlenen Waisen: Nr. 2. Zipora Platow, geboren in Pegau 1815. Nr. 3. Hanna Platow, geboren in Blankenhain am 15. 2. 1817, beide Kinder des Michael Platow, Handelsmann, gestorben den 6. April 1824, und der Esther, geborenen Asch aus Breslau, und es wurde dabei bemerkt, daß die Mutter sich von einem kleinen Handel, der ihr nicht die nothwendigsten Bedürfnisse zur Erziehung ihrer Kinder abwerfe, ernähre und ein festes Einkommen nicht habe, daß noch 6 Geschwister da seien, und der Vater Gabriel Platow, geboren 1765 zu Gotrsckin, im Herzogthum Warschau, als Kosak unter General Platow (woher auch sein bürgerlicher Name) während der Freiheitskriege gedient, bei Leipzig 1813 gefachten, Paris 1813 mitgestürmt habe, 1815 russischer Dolmetscher bei der Kommandantur geworden, 1817 in Blankenhain einen kleinen Handel angesangen und 1824 gestorben sei. In einem besonderen Schreiben de« damaligen Diakonu» Teuscher, als Vikarius des Oberpfarramt« zu Blankenhain, sagte derselbe in Bezug aus diese Waisen: „Denn obwohl die Waisen Nr. 2 und 3 jüdischer Religion sind, so möchte es wohl einer christlichen Anstalt zur Ehre gereichen, sich ihrer zu erbarmen, und vielleicht thut eben diese Sorge und die dadurch herbeigesührte nähere Aufsicht für die Verbesserung der Zerstreuten mehr aus, als die bürgerliche Gesetzgebung an sich. Die Kinder haben überdies unsere Schulen fleißig und mit Erfolg besucht und auch an dem Religionsunterrichte theilgenommen, dazu sind mehrere der hiesigen Israeliten bei vorkommenden Gelegenheiten bereitwillig zu Beiträgen für kirchliche Zwecke gewesen, und der tadellose Wandel de« verstorbenen Gabriel Platow sowie seine Anstrengungen für das deutsche Vaterland verdienen gewiß gnädige Berücksichtigung." „In diesem Vertrauen empfehle ich seine zurückgebliebenen Waisen u. s. w."