Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1900)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1900-02-01
- Page
- 67 (sequence 11)
- Language
- German
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Deutsche Oolksvertreier jüdischen Bekenntnisses. 67 sie bis zum 26. Oktober als Staatsgefangene festgehalten. Ihr Verlangen, dem ordentlichen Richter vorgeführt zu werden, ward von der Staatsanwaltschaft und in letzter Instanz von dem Justizminister als „unzulässig" zurückgewiesen. Im Jahre 1872 erklärte Johann Jacobs offen seinen Beitritt zu der sozialdemokratischen Partei, aber ein Mandat für den Reichstag, das ihm die sozialdemokratische Partei anbot, nahm der 67 jährige Mann nicht an. Er zog sich in das Privatleben zurück, um auf dem Felde der Gedanken feine letzte Befreiungsschlacht zu schlagen für „alles, was Menschenantlitz trägt". Von dieser letzten Arbeit I a c o b y'S ist nur ein Bruchstück bekannt geworden, das Dr. Guido Weiß in den Jahren 1875 und 1876 in seiner Zeitschrift „Die Waage" veröffentlichte. „Zum Kulturkampf" überschreibt es der Verfasser. Er versteht darunter den Kampf, der die Menschheit in ihrer fortschreitenden Vernunft» crkenntniß durch Kirche und Staat hindurch zur höchsten Kultur emporführt. Er verfolgt diesen schmerzlichen Weg von dem ersten Aufdämmern der sich selbst bewußt werdenden Vernunft des Menschen an bis zu dem Punkte, wo der menschliche Instinkt zur Vernunft gereift ist und die Periode der selbstbewußten Menschheitsgeschichte beginnt. Dieser Blick in die fernste Zukunft ist Johann Jacoby's letztes Vermächtniß. Noch-an seinem 70. Geburtstage hatte er den Gratulanten gegenüber lächelnd dieses Alter als den Anfang einer zweiten Jugend gepriesen, die nur in den Alten noch zu finden sei, eben weil sie die Alten geblieben seien. Am 6. März 1877 schloß er in seiner Vaterstadt nach langen schmerzlichen Leiden die Augen. Was er auch hat Schweres dulden müssen: den Haß und die Verfolgung der Mächtigen, die Vereinsamung unter den alten Partei- und Kampfgenossen; sein Gemüth blieb unverbittert und keine Widerwärtigkeit vermochte den Gleichmuth seiner Seele zu erschüttem. Diejenigen, welche ihm nahestanden, rühmen die Liebe, Güte, Milde und Versöhnlichkeit seines edlen Herzens. Der Mund, vor dessen schwertscharfer Beredsamkeit die Gegner zitterten, im Freundeskreise floß er über von Heiterkeit und Scherz, am Bette der Kranken von Worten des Trostes und der Beruhigung. In seinem ärzttichen Berufe beseelte ihn dieselbe Pflichttreue, deren