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Im deutschen Reich · 1900-01-01 · Heft 1 (Januar 1900) · p. 48

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 1 (Januar 1900)
Article
Dr. G. Stille [Rezension]
Date
1900-01-01
Page
48 (sequence 1)
Language
German
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48 Mcherschan. Dr. G. Stille: Die deutsche Schule in Gefahr! Berlin, W. Giese, 1899. 63 S. 8°. Don dem Wartthurm der Rasse-Antisemiten ertönt der Wächterruf „Die deutsche Schule in Gefahr", und die Getreuen stimmen in den Ruf ein und hoffen wohl, das, was dem Rufe an Schönheit fehlt, durch die Kraft der Stimmen zu ersetzen. WaS diese Schaar, die sich zum Wächter und Beschützer des Deutschthums aufwirft, ohne dazu berufen zu sein, wünscht und hofft, ist gleichgiltig; unsere Aufgabe ist eS nur zu zeigen, waS von dem SchreckenSruf übrig bleibt, wenn wir seinen Ursprung und seine Begründung näher untersuchen. Herr Dr. Stille, der sich unter seinen Getreuen entweder schon einen Ruf erworben hat oder den Ehrgeiz besitzt, ihn sich zu verschaffen, erbebt vor Zorn und klagt aus Besorgniß für die deutsche Schule, weil der Rabbiner einer kleinen westpreußischen Gemeinde d i e öffentliche jüdische Elementarschule einer noch Heineren Gemeinde zu inspizieren aufgefordert worden ist und sich angeschickt hat, dieser Aufforderung nachzukommen. Daß und weshalb der Gemeindetag am 16. Oktober 1898 das Ansuchen der Gemeinde Gollub abgelehnt hat, fällt für einen Beobachter von der Befangenheit deL DerfafferS nicht in'S Gewicht. Und wie sollte daS auch geschehen? Aus der öffentlichen jüdischen Elementarschule wird eine „Stadtschule", und für die Ablehnung auf dem Gemeindetage hat das „Volk" die Beweggründe aufgespürt, nämlich weil „die herrschende Partei im Rathhause und Gemeindebunde die Sache zur Zeit höchst ungelegen finde". Stadtverwaltung und Gemeindebund mit einander in eine Beziehung gebracht zu haben, möge unbekümmert daS Verdienst des „Volkes" und feines Nachbeters, Herrn Dr. Stille, bleiben. Den unbefangenen Beobachter, der auch nur einen flüchtigen Blick in die Werkstatt der Antisemiten geworfen hat, wird dieses Vorgehen ebensowenig beftemden wie der Wuthausbruch des VerfafferS darüber, daß ein Ministerialdirektor versprochen hat, kleine und arme jüdische Gemeinden unter gewissen Voraussetzungen mit Geldmitteln behufs Anstellung eines geprüften jüdischen Lehrers zu unterstützen. Darin

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