Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 22 (sequence 10)
- Language
- German
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22 Im deutschen Reich. streng« Bestrafung zweier junger Israeliten, des 17 jährigen Architekten-LehrlingS Wertheimer und des 20jährigen algerischen Studenten Benhaim verlangte. Die meisterhaften Vertheidigungsreden der Advokaten blieben erfolglos: die Geschworenen sprachen die sieben Angeklagten schuldig und gewährten Benhaim nicht einmal mildernde Umstände. Bei Verkündigung des Wahrspruchs zeigte sich das Publikum geradezu entsetzt. Brnha'im aber schrie in höchster Aufregung: „Wenn ich schuldig bin, so geben Sie mir da» Maximum! Ich bin aber unschuldig, ich schwöre eS!" Während der Gerichtshof sich zur Berathung zurückzog, suchten die Verurtheilten den Gardisten die Säbel zu entreißen, um sie sich in den Leib zu stoßen, und Benhaim, dessen glänzende Studien in so tragischer Weise unterbrochen sind, hatte «inen TobsuchtSansall. Di« Geschworenen zeigten sich tief er» schüttert — nur einer lächelte stillvergnügt. Bei Verlesung des UrthrilS, da» für Benhaim auf fünf Jahr« Zuchthaus und für die anderen Angeklagten auf 1 Jahr, 15 Monate bezw. 2 Jahre Ge» fängniß lautet«, brach Benhaim in «in herzzerreißendes Lachen aus. Zehn Geschworene Unterzeichneten sofort ein Gnadengesuch. — Die Berliner „StaatSbürger-Ztg." bemerkt zu ihrem Bericht über die Ver» Handlung: „Der Sturm auf di« Kirche war von jüdischer Seite insceniert worden, um die Kirchenschändung den Anti» srmiten in die Schuhe zu schieben. Der feine Plan ist aber den Juden nicht geglückt." Da» Antisemitenblatt rechnet bei dieser Hetzerei offenbar auf diejenigen, die nicht all« werden, denn von den Andern werden sich viele entsinnen, daß erst kürzlich das „Journal officiel* amtlich verkündete, der jüdische Schutzmann Moses Wolff habe «ine Dekoration erhalten, weil er sich bei der Bekämpfung der anarchistischen Unruhen durch Unterstützung de» Polizeikommiffars Souleir aus» zeichnete und den Aufrührern die Fahne entriß, dir sie bei der St. Josephskirche aufsteckten. Die Juden brauchen den Antisemiten keine Kirchenschändung in dir Schuhe zu schieben, di« Kirchenfürst«» wiffen ohnehin, was in de« selten blanken Schuhen der Wotansanbeter steckt! A. L»