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Im deutschen Reich · 1900-01-01 · Heft 1 (Januar 1900) · p. 20

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 1 (Januar 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-01-01
Page
20 (sequence 8)
Language
German
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so 3m deutschen Reich. züge aus der Schrift einekatholischen Heiligen." — Darauf können doch eigentlich gläubige Katholiken kaum eine andere Antwort geben, als: Los vom Antisemitismus! Am Jahrestage seiner ersten „Los von Nom"-Kundgebung hat (wie die „Deutsche Wacht" berichtet — am 15. des Eismonats!) der bekannte österreichische Antisemiten-Führer Georg Schönerer den Behörden seinen Austritt aus der katholischen Kirche mitgetheilt. — Wie österreichische und ungarische Blätter melden, ist kürzlich im Vatikan ein Schreiben des englischen Kardinals Daughan eingetroffen, welcher darin Monsignore Merry de Val ersucht, den Papst auf die gehässigen Ausfälle vatikanischer Blätter gegen die Juden aufmerksam zu machen. Insbesondere habe sich der „Osservatore" zum Werkzeuge der dunkelsten antisemitischen Hetzer hergegeben und die Juden unverblümt als „Ritualmörder"' bezeichnet. Ein Blatt, das sich an der Quelle der Wahrheit befinde und mit der Kurie in engster Fühlung stehe, lade mit dieser schamlosen Anklage, für die jeder Schatten eines Anhaltspunktes fehle, eine doppelte Schuld auf sich: es-versündige sich gegen den Geist des Christenthums und schade der Kirche. Ein Machtwort deS Papstes möge diesem Unfuge für immer ein- Ende setzen. Der österreichische und ungarische Episkopat sympathisiert mit den Anschauungen des Kardinals Vaughan und ist durch die Vorgänge in'Böhmen und Mähren erst recht von den Nachtheilen überzeugt worden, welche die Nitualmord-Erfinder der gesummten Bevölkerung zufügen. Die schweren Strafen, welche in Folge der Holleschauer Ausschreitungen verhängt worden sind, haben, wie dies gewöhnlich der Fall ist, nicht die Anstifter, sondern die von ihnen Verführten getroffen und auf diese und ihre bedauernswerten Familien eine geradezu niederschmetternde Wirkung ausgeübt. Die Ritualmord- .Märchendichter rührt dies aber nicht; sie trotzen und dichten weiter. Der rzechische Abgeordnete Dr. Baxa, der sich wegen Veröffentlichung einer Antwort, auf die Masaryk'sche Broschüre über die Polnaer Affaire in «Strafuntersuchung befindet, erschien trotz viermaliger Vorladung nicht, vor dem Untersuchungsrichter undwurde deshalb von einem Gefangenenaufseher abgeholt und vorgeführt, nach.Verweigerung jeder Auskunft jedoch wieder entlassen. Auf die im „Deutschen Volksblatt" veröffentlichte 'Rechtfertigung der beiden ärztliches Sachverständigen -im Kuttenberger Prozeß hat^Profeffor Masaryk prompt in der „Zeit" geantwortet -Seme Entgegnung l schließt'mit den Worten!: „Der Ritualaberglaube ^aßt sich picht mit allgemeinen' kulturgeschichtlichen Erörterungen. auS- 'd4r Welt schaffen;*r muß derart in einem konkreten Falle in seiner -Nichtigkeit erwiesen weikdE Däs^sieht doch'' schon jede?: eine richtige

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