Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1900)
- Article
- Carl Gottlieb Hauptmann
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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8 Im deutschen Reich. dichtete in seinen Mußestunden, und zu den zahlreichen Beweisen der Anerkennung, welche seine Gedichte fanden, gehörte auch eine Kaiser Wilhelm'-1., der ihm vor etwa 20 Jahren ein namhafte» Geldgeschenk übersandte, „als Sporn, die Mußestunden auch künftighin in so löblicher Weise zu verwenden". Carl Gottlieb Hauptmann wurde am 18. August 1616 in Zeichen an der Elbe als der Sohn eine» armen Landmannes geboren. Seine Eltern waren thätige, rechtschaffene und sehr fromme Leute, welche sich mühsam und kärglich, aber redlich und ehrlich ernährten. In jungen Jahren war Hauptmann oft kränklich, und vielleicht erfolgte hieraus eine körperliche Unbeholfenhkeit, die ihm bis in sein Alter hinein anhastete und die ihm in seinem Erwerbe als Weber oft sehr hinderlich gewesen ist. Frühzeitig aber entwickelte sich sein Geistesleben in einer für ein Dorfkind ungewöhnlichen Weise, so daß er sich die besondere Zuneigung seines Lehrers, eines Kantors Merkel in Stadt Wehlen in der sächsischen Schweiz erwarb, eines ehrenwerthen Mannes, dem Hauptmann noch heute ein dankbares Interesse bewahrt. Dieser Mann gab sich nicht nur in der Schule mit dem besonders begabten Knaben viel Mühe, sondern lieh ihm auch gute Bücher, die Hauptmann, begabt mit guter Auffassung»- und DenkungSgabe, mit Eifer verschlang und au» denen er vieles lernte, was sonst allen in seiner Umgebung fremd geblieben war. Man wird sich die» erst richtig vorstellen können, wenn man bedenkt, .daß in Hauptmann's Jugend, also vor mehr al» 70 Jahren, in die dörsiiche Einsamkeit noch durch keine Zeitung, kein Journal auch nur der kleinste Schimmer einer aufklärenden Bildung zu dringen pflegte. Al« aber die Schulzeit zu Ende war, da trat an die Eltern des frühreifen Knaben die Sorge heran, einen Lebensweg für den Sohn zu bestimmen. Nicht zu allem hatte er Lust und körperliche Fähigkeit, und wozu Lust und Fähigkeit bei ihm vorhanden war, etwa ein Lehrer oder gar ein Pastor zu werden, dazu fehlten den Eltern die Geldmittel. So wurde er denn nach langen Erwägungen zum Weber bestimmt; vielleicht doch nur schließlich deshalb, weil e» dem Vater als da» Billigste erschien. Besondere Befähigung oder Neigung fehlte bei Hauptmann auch zu diesem Beruf. Gleich-